[RC18](Horror/Sci-Fi/Fantasy) Lost in Time

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Child of Bodom
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[RC18](Horror/Sci-Fi/Fantasy) Lost in Time

Beitrag von Child of Bodom »

So, da ist es also, mein neuestes Werk. Ohne Action-Szenen, ohne Mechas und ohne Superkräfte. Bin mal gespannt ob das irgendwem gefällt und ob´s überhaupt irgendwen interessiert. :rofl:

Ach ja, ich hab jetzt wegen dem Ende von Kapitel 2 mal RC18 als Altersfreigabe genommen. Ich behalte mir allerdings vor auch noch auf die nächste Stufe zu erhöhen. Das weiß ich selbst noch nicht so genau, es könnte aber passieren, was auch bedeutet, dass es durchaus noch heftiger zugehen könnte als das. Wie gesagt... Behalte ich mir mal vor. :D
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Lost in Time:

Kapitel 1 – Die Reise:

Ob Julian sich das tatsächlich angetan hätte, wenn er gewusst hätte wie viel harte Vorbereitungsarbeit auf ihn zukommen würde? Naja, höchstwahrscheinlich schon. Schon seit frühester Jugend hatte er davon geträumt ein Metal-Festival zu besuchen, aber damals kämpfte seine Familie mit starken finanziellen Problemen, die sein Vater verursacht hatte, und ein solcher Festival-Besuch wäre niemals möglich gewesen. Und auch jetzt bedeutete ein solcher Festival-Besuch eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung für Julian, der diese nur stemmen konnte, weil er sein gesamtes Leben lang sehr enthaltsam gelebt hatte. Nur so war es möglich dass er sowohl die Karte für das Festival als auch die Miete für den kleinen Transporter bezahlen konnte, mit dem er dorthin fahren wollte. Deshalb und weil er das unwahrscheinliche Glück hatte dass seine beiden besten Freundinnen, Sandra und Kim sich ein wenig daran beteiligten, da sie selbst in die Gegend fahren wollten um dort einige Verwandte zu besuchen. Julian hatte jedoch nicht damit gerechnet dass die vorläufige Einrichtung des Transporters so viel Kraft und Energie kosten würde. Eine große Matratze musste hinein getragen werden, dazu eine kleine Autobatterie und noch viele weitere Gegenstände, die man auf einer solchen Reise besser bei sich hatte, darunter auch sein Fahrrad, einige Gefäße mit Wasser, Getränke und Essen. Letztere zumindest dann wenn man nicht vor hatte die überteuerten Festival-Preise auf dem Gelände zu bezahlen. Es hatte sehr lange gedauert, aber einen Tag nachdem das Fahrzeug von der Auto-Vermietung abgeholt worden war, war es nun endlich soweit und Julian würde sein erstes Metal-Festival besuchen gehen. Zu aller erst würde er allerdings noch den Super Mark aufsuchen und dort seine Essens- und Getränkereserven für die Reise auffüllen. Und nicht zuletzt wollte er nicht ohne wenigstens ein paar Dosen Bier dort erscheinen. Er trank zwar selbst seit länger als einem Jahrzehnt keinen Alkohol mehr, aber er wusste dass es die anderen Festival-Besucher taten und wollte nicht ohne die Option jemand anderem ein Bier anzubieten dort erscheinen. Man wusste ja nie was sich an Kontaktmöglichkeiten mit anderen Menschen dort ergeben könnte. Mit unerwartet sicherer Hand steuerte Julian den Transporter durch die engen Straßen des Dorfes in dem er lebte und selbst auf dem Supermarkt-Parkplatz kam er unerwartet gut mit dem vergleichsweise recht großen und vor allem breiten Vehikel zurecht. Anscheinend half es ihm, dass er mit seinen Eltern schon als kleines Kind in einem großen Camper mitgefahren war und er dort seinem Vater zusehen konnte, wie dieser ein solch übergroßes Vehikel steuerte. Zumindest dachte Julian sich das als er ausstieg und sich in den Supermarkt begab um seine Einkäufe zu tätigen. Das Gefühl das er dabei hatte war mehr als eigenartig. Er konnte nicht genau sagen ob er sich auf die Reise und das Festival freute oder ob er wahnsinnige Angst davor hatte. Er war eigentlich eher ein Nerd, der viele Video Spiele spielte und das Haus so wenig verließ wie er konnte. Er hatte auch bis auf die beiden Damen, die er mit in die Gegend nehmen wollte niemanden und selbst die sah er tatsächlich recht selten, nicht zuletzt deshalb weil beide eigentlich in festen Händen waren und sich daher mehr mit ihren festen Freunden abgaben als mit ihm. Aber das war in Ordnung für Julian, er hatte seine Video Spiele und brauchte keine anderen Menschen… zumindest wenn man von denen auf dem Metal-Festival absah. Mittlerweile hatte Julian alle seine gewünschten Einkäufe zusammen und ging ziemlich schwer beladen zur Kasse. Vielleicht hätte er sich doch lieber vorne einen Einkaufswagen zu Hilfe nehmen sollen, aber er hielt es ursprünglich nicht für notwendig. Immerhin war er ein Brocken von fast zwei Metern Größe und besuchte seit fast zwei Jahren regelmäßig ein Fitness-Studio. Er sollte wohl mit ein paar schweren Einkäufen zurecht kommen, dachte er sich während er alle Einkäufe auf das Kassen-Förder-Band legte und sich in die recht kurze Warteschlange einreihte.
„Hi“, sprach ihn die Kassiererin in einer unglaublich freundlichen Art und Weise an, als er an der Reihe war. Versuchte die Dame etwa gerade mit ihm zu flirten? So freundlich hatte sie doch die Leute vor ihm auch nicht angesprochen... Julian konnte fühlen wie er innerlich anspannte und bereits jetzt Schwierigkeiten mit seiner Wortwahl bekam. Eine Sache mit der Julian einfach nicht umgehen konnte waren leider nun einmal Frauen. Bis auf Sandra und Kim, die er schon so lange kannte, dass sie 3 sich wahrscheinlich am ehesten wie Geschwister anfühlten, konnte er überhaupt nicht mit Frauen umgehen oder reden und von flirten ganz zu schweigen. Er wusste einfach nicht wie.
„Hallo“, antwortete er daher ziemlich nüchtern, denn höchst wahrscheinlich hatte er sich ohnehin mit dem anflirten geirrt. Welche Frau hätte schon Interesse an einem hässlichen Nerd wie ihm?
„Das ist aber ein interessanter Großeinkauf… Geht es auf eine Reise?“, sprach die Dame an der Kasse weiter, während sie mit großer Routine die Waren einscannte.
„Ein Festival… Mein Erstes…“, antwortete Julian und fühlte wie er immer unsicherer wurde.
„Ui… Das klingt aber wirklich spannend… Das macht dann 137,67€“, kommentierte die Frau an der Kasse und sah ihn in Erwartung der Bezahlung an.
„Ja, wollte ich schon immer mal machen und jetzt habe ich die Chance dazu“, antwortete Julian, während er der Frau 140€ in die Hand gab.
„So und 2,33€ zurück… Einen schönen Tag noch und viel Spaß auf dem Festival wünsche ich“, sagte die Dame noch und reichte Julian die besagten 2,33€.
„Danke, werde ich hoffentlich haben… Ihnen auch noch einen schönen Tag…“, antwortete Julian während er die 2,33€ annahm und die letzten Einkäufe irgendwie auf seine Arme packte. Dann verließ er nach seinem eigenen Gefühl fluchtartig den Super Markt und begab sich so schnell er konnte zu seinem Vehikel. Situationen wie diese verängstigten ihn sehr. Nicht nur dass er sich unsicher war weshalb die Dame ihn in ein kurzes Gespräch verwickelt hatte, er hatte auch massive Angst wegen dem was er war abgelehnt zu werden. Ein Problem, dass er schon hatte seitdem er ein kleines Kind war. Leute und besonders andere Kinder lehnten ihn aus Gründen sie er nicht verstehen konnte einfach ab und zurück blieb nun im Erwachsenenalter diese massive Angst davor. Hatte er sich richtig verhalten in dieser Situation oder hätte er sich anders verhalten müssen? Nun ja, es hatte nun nicht den geringsten Sinn weiter darüber nachzudenken und so verstaute Julian seine Einkäufe so schnell es ihm möglich war und machte sich dann wieder auf den Weg, zunächst zu Sandra, dann zu Kim um die beiden abzuholen. Das lag gottseidank auf dem Weg zu seinem Festival, so dass der Umweg recht gering ausfallen würde. Da ihn seine Gedanken wegen der Situation im Super Markt jedoch nicht in Ruhe lassen wollten, entschied Julian sich schnell für ein wenig passende Stimmung zu sorgen und schaffte es irgendwie sein Smartphone mit der Anlage des Mietfahrzeugs zu verbinden um dann ein wenig Metal laufen zu lassen. Nach einer längeren Nachdenkphase entschied er sich für die Band Extermination Dismemberment. Ziemlich harter Stoff und nur für solche Leute wie ihn tatsächlich überhaupt geeignet. Das würde er sich auch nur so lange anhören, wie er alleine Unterwegs wäre. Spätestens wenn er Sandra mit ihm Fahrzeug hatte würde er etwas leichter zu verdauendes anschalten oder gleich ganz auf Hintergrundmusik verzichten.

Es ging alles relativ schnell und einfach von sich als Julian an Sandras Wohnort ankommen sollte. Eine Nachricht auf dem Smartphone und fünf Minuten später sollte sie mit einem fertig gepackten Koffer und einem Rucksack aus dem Haus kommen. Sandra war mit 1,64m relativ klein, aber recht breit gebaut. Ihre Kleidung bestand aus recht weiten Hosen und einem T-Shirt das so weit wirkte als wäre es ein paar Größen zu groß für sie. Wenn man es nicht besser wusste, dann hätten ihr großer Hintern und ihre ziemlich hohe Oberweite sie in Kombination mit der weiten Kleidung ein wenig übergewichtig wirken lassen, was sie in Wirklichkeit aber ganz und gar nicht war. Ihre schwarzen langen Haare hatte sie zudem hinten zusammen gebunden, wo sie ihr ein wenig bis über die Schultern reichten. Sie war gewiss nicht unattraktiv für Männer und auch für Julian nicht, aber er hatte ohnehin keine Chance bei ihr, zumal das wahrscheinlich ohnehin nicht angebracht gewesen wäre, nach der langen Zeit die sie sich nun kannten. Schnell hatte sie ihren Koffer hinten zu Julians Festival-Ausstattung in den Laderaum des Transporters gestellt und setzte sich dann auf einen der beiden Beifahrerplätze auf der Sitzbank neben Julian.
„Hi Julian“, grüßte sie ihn freundlich, aber anders als es die Kassiererin im Supermarkt, so dass es Julians Ängste nicht ganz so schlimm triggerte als es diese Situation getan hatte.
„Servus. Bereit für die Reise?“, fragte Julian sie dann ungewöhnlich selbstsicher für seine Zwecke und Sandra nickte das ganze ab.
„Ich kann´s kaum noch abwarten. Ich hab meinen Vater schon seit Jahren nicht mehr gesehen“, kommentierte sie dann, während Julian sich entschieden hatte noch ein wenig musikalische Untermalung einzuschalten. Dieses Mal aber Memphis May Fire. Eine Band die er auch sehr liebte, die er aber für wesentlich geeigneter hielt in Situationen in denen er mit Damen zusammen war, auch wenn es sich um Sandra handelte.
„Wie ist der eigentlich so?“, fragte er dann und startete das Fahrzeug.
„Naja… Ich sag´s mal so… Es gibt einen guten Grund weshalb er und meine Mutter sich zerstritten haben und er gegangen ist“, antwortete Sandra etwas bedrückt.
„Ich dachte das wäre wegen seiner Affäre gewesen…“, kommentierte Julian etwas verwirrt, während er das Fahrzeug auf die Hauptstraße zurück steuerte.
„Naja, das ist leider nur ein Teil davon, glaube ich. Meine Mutter hat auch immer behauptet er hätte sie geschlagen. Er selbst behauptet dass er das nie hätte und sie hätte sich das selbst zugefügt. Ich weiß nicht was da wahr ist. Zu mir jedenfalls war er soweit ich mich erinnern kann immer lieb“, erklärte Sandra weiter. „Was ist eigentlich mit dir? Bist du schon aufgeregt? Ist immerhin dein erstes Metal-Festival“, fragte sie ihn dann.
„Naja, ich hab schon unglaublich Angst vor dem was da auf mich zukommen könnte. Aber ich komme schon klar. Ich hab ja in letzter Zeit ein paar Konzerte besucht und schätze mal dass das so ähnlich ablaufen wird… Nur mit mehr Bands und noch mehr Leuten“, antwortete Julian nüchtern und versuchte sich auf die Straße anstelle seiner Ängste zu konzentrieren.
„Wo fahren wir denn hin? Ich dachte wir fahren direkt rauf zum Festival“, warf Sandra dann irritiert ein, als Julian unerwartet abbog.
„Naja… Kim wollte auch mit. Sie hat dort in der Gegend wohl auch ein paar alte Bekannte die sie besuchen gehen wollte… Also hat sie zumindest mal behauptet…“, antwortete Julian und wurde immer unsicherer dabei, da er Sandra ein gewisses Missfallen im Gesicht ansehen konnte. Hatte er etwa einen Fehler gemacht als er Kim ebenfalls mit in die Sache involviert hatte?
„Verstehe…“, antwortete Sandra dann auch noch in einem hörbar enttäuschten Tonfall und verunsicherte Julian offensichtlich noch weiter. Aber es war längstens zu spät sich darüber allzu viele Gedanken zu machen. Er hatte sie nun beide in seine Reise involviert und jetzt, so knapp vor dem Start der Aktion, war es nicht mehr möglich einen Rückzieher bei einer von beiden zu machen. Beide zählen auf ihn.

Kim hatte sich dazu entschieden lieber zwei Koffer und einen Rucksack zu packen und verstaute beide Koffer ebenfalls zuerst im Laderaum, bevor sie dann zuerst einmal kurz auf die Fahrerseite zu Julian kam und ihn einmal zur Begrüßung durch die offene Seitenscheibe umarmte ungeachtet dessen, dass Julian das eigentlich gar nicht so recht war. Er wünschte eigentlich keinen Körperkontakt zu Frauen, zumindest nicht wenn er sich auf diese Art beschränkte und nicht noch viel weiter reichte. Zumal Kim wirklich eine wirkliche Schönheit geworden war seit er sie im Grundschulalter kennen gelernt hatte. Julian schätzte sie auf 1,72m und entsprechend ihrer Größe war sie eher lang und schmal gebaut, was auf ihn jedoch ganz besonders anziehend wirkte und das obwohl sie einen kleineren Hintern und wesentlich kleinere Brüste hatte als Sandra. Ihre weit über schulterlangen blonden Haare, die sie ebenfalls zusammen gebunden hatte und ihre meistens immer froh wirkende Art taten ihr Übriges dazu. Aber Julian musste sich zusammen reißen, denn die Gedanken die ihm gerade durch den Kopf gingen waren definitiv nicht angebracht, besonders nicht bei einer so langen Bekanntschaft wie er sie mit diesen beiden hatte.
„Hi Julian. Hi Sandra“, grüßte Kim die beiden als sie den Platz auf der Sitzbank ganz rechts einnahm und die Fahrzeugtür schloss.
„Hi Kim. Du auch hier?“, grüßte Sandra immer noch ein wenig irritiert zurück.
„Ja, als ich gehört hab, dass Julian auf dieses Festival da im Nord-Osten fährt, musste ich einfach mit. Du kennst doch noch Sarah und Julia oder? Die leben jetzt beide da oben in der Nähe und ich glaube eine bessere Gelegenheit die beiden mal wieder zu besuchen, werde ich wohl kaum kriegen. Außerdem ist es wirklich eine tolle Gegend da. Vielleicht kann ich mir die ja ein wenig ansehen und ein paar tolle Fotos machen, wenn ich schon mal dort bin“, erklärte sich Kim, während Julian das Fahrzeug wieder startete und sich auf den Weg zum Festival machte. Auf Musikuntermalung verzichtete er dabei lieber.
„Sarah und Julia? Das ist ja ewig her. Wissen die beiden denn überhaupt noch wer du bist?“, warf nun Sandra ein und Julian konnte fühlen wie Kim dieser Einwand missfiel.
„Na klar wissen die das noch. Ich hab regelmäßig mit denen geschrieben nachdem sie weg gezogen sind“, antwortete Kim trotz ihrem Missfallen unglaublich froh und freundlich.
„Na dann…“, kommentierte nun Sandra unter einem gewissen Missfallen. Julian konnte fühlen wie sich die Situation zwischen den beiden Damen immer stärker anspannte und das sollte ihm stark missfallen. Außerdem ging ihm immer noch diese Situation mit der Kassiererin im Supermarkt nach und da momentan keine Musik spielte die ihn ablenken konnte, war es ihm auch nicht möglich sich seinen eigenen sich um sich selbst drehenden Gedankengängen zu entziehen.
„Aber sag mal Julian… Du hast dich ja wirklich heftigst vorbereitet. Bist du sicher dass das alles notwendig war?“, warf nun Kim ein und spielte auf die Sachen im Laderaum an.
„Naja, ich brauche eben ein gutes Bett, wenn das alles nicht in einen kompletten Vollhorror ausarten soll und wenn ich kein Fahrrad dabei hab weiß ich nicht wie ich vom Festival in die Stadt kommen soll, wenn ich Nachschub beim Essen und den Getränken brauche. Einen Kühlschrank hab ich ja jetzt nicht mit eingepackt“, erklärte sich Julian, während er auf die Autobahn abbiegen sollte.
„Verunsichere ihn doch nicht so… Ich hab zwar keine Festivalerfahrung aber ein wenig mit Camping und ich kann dir sagen… Besser ein paar Dinge zu viel als zu wenig eingepackt. Wenn du etwas brauchst, dass du dann nicht dabei hast, hast du ein größeres Problem wie andersrum“, verteidigte Sandra ihren langjährigen guten Freund schnell.
„Da hast du wohl einen Punkt“, stelle Kim fest. „Oh, die Musikanlage ist ja noch an… Wieso läuft denn nichts?“, warf sie dann ein und schockierte Julian mit der Aussage ein wenig.
„Ähm…“, antwortete er schnell, während er verzweifelt nach einer Ausrede dafür suchte. „Ich wollte deine Nachbarschaft nicht stören“, fügte er dann schnell noch hinzu.
„Naja, jetzt sind wir auf der Autobahn, da kannst du keinen stören“, erklärte Kim ihm schnell.
„Ja, genau. Mach mal etwas Musik an. Es dauert bestimmt noch eine Weile bis wir dort ankommen wo die Umgebung auch wirklich interessant für uns wird“, drängte Sandra ihn nun förmlich
„Danke… Passt schon. Im Moment ist mir gar nicht nach Musik zumute. Davon bekomme ich auf dem Festival sicherlich mehr als genug“, antwortete Julian verzweifelt und beide Frauen sahen sich kurz an, bevor Kim kurz mit den Schultern zuckte und Sandra den Kopf schüttelte.
„Ganz wie du willst“, kommentierte Kim dann die Situation und begann sich der Landschaft zu zuwenden, während Julian sich weiterhin versuchte auf die Straße und die Strecke zu konzentrieren.

Sicher und erstaunlich routiniert, selbst nach seinem eigenen Verständnis, steuerte Julian das Gefährt über die Autobahn. Dafür dass er so ein großes Vehikel noch nie selbst gesteuert hatte, kam er wirklich gut damit zurecht. Eine seiner Befürchtungen bevor er aufgebrochen war. Selbst an die ungewöhnliche Breite des Fahrzeugs hatte Julian sich recht schnell gewöhnt und bereits nach einer Stunde Fahrt steuerte er den Transporter so entspannt als ob er in seinem Leben noch nie etwas anderes gefahren hatte. Mittlerweile, nach drei Stunden Fahrzeit hatten sie auch längst die bekannte Umgebung verlassen und immer wieder nahm die Landschaft Formen an, die man nur als wunderschön bezeichnen konnte. Julian bekam regelmäßig Probleme seine Aufmerksamkeit auf der Straße zu halten und sich nicht in alle Richtungen umzusehen. Die Tatsache, dass die Sonne schien, keine einzige Wolke am sich besonders blau anfühlenden Himmel war und es mindestens 30 Grad warm war, sollte sicherlich ihr Übriges dazu beitragen. Regelmäßig hingen auch beide Damen aus genau diesem Grund an der Seitenscheibe und betrachteten beeindruckt die Umgebung. Kim nahm sich sogar regelmäßig ihr Smartphone zur Hand und machte viele Fotos. Julian wusste gar nicht so genau wovon und besonders weshalb gleich so viele. Und obwohl ihn die Umgebung regelmäßig ablenkte und eigentlich die Fahrt selbst den größten Teil seiner Konzentration in Beschlag nahm, so konnte er nicht verhindern dass seine Gedanken immer wieder um die Sache mit den beiden Damen und um die Geschichte im Supermarkt kreisten. ARG! Was hatte denn dieser Bullshit genau jetzt in seinen Gedanken verloren? Auch ein schnelles Kopfschütteln schien ihm hier nicht weiter zu helfen. Aber irgendwie musste er diese Gedanken los werden. Dies sollte eine Zeit des Feierns und der Freude für ihn werden, da hatte so etwas nichts in seinem Gehirn verloren.
„Julian… Stimmt etwas nicht?“, sprach ihn plötzlich Kim an und schockierte ihn, so dass er kurzzeitig überhaupt nicht wusste, wie er überhaupt reagieren sollte.
„Ähm… Nein, alles gut…“, antwortete er nach einer ungewöhnlich langen Zeit völlig unsicher.
„Das klingt aber jetzt gerade ganz und gar nicht so“, kommentierte Sandra.
„Genau… Und auch sonst bist du selbst für deine Zwecke ungewöhnlich still… Also was stimmt mit dir nicht? Immerhin willst du gleich auf´n Metal-Festival, da solltest du gute Laune mitbringen“, sprach nun Kim wieder und Julian seufzte kurz.
„Naja… Ich…“, sagte er und geriet dann ins Stocken, da er nicht wusste was er jetzt genau sagen sollte. „Ich hatte ein kurzes Gespräch mit dieser einen Kassiererin im Supermarkt und sie war ganz besonders nett zu mir und ich wusste damit irgendwie nicht umzugehen…“ sprach er dann weiter unsicher und sackte in sich zusammen während er sprach.
„Uhhhhh…“, rief Kim direkt aus. „Unser Julian wurde an der Kasse angeflirtet“, kommentierte sie dann auf ihre besonders frohe Art.
„Sie hat mich nicht angeflirtet. Sie hat nur nach meinen Einkäufen gefragt und ich hab ihr gesagt was ich vor habe. Mehr ist nicht passiert“, unterbrach Julian sie lieber schnell.
„Oh doch, das hat sie“, mischte sich nun auch noch Sandra ein, die jedoch nicht so positiv darüber wirkte wie Kim es tat, so als ob es ihr missfiel dass eine andere Frau einen Flirtversuch bei ihm gestartet hatte.
„Hast du sie wenigstens nach ihrer Nummer gefragt?“, warf nun Kim ein.
„Nein… Sie hat anders als ihr beiden das jetzt behauptet ja auch gar nicht mit mir geflirtet“, antwortete Julian.
„Wir wissen alle drei, dass du das gar nicht wirklich unterscheiden könntest“, kommentierte Sandra und Julian sackte weiter in sich zusammen, da sie absolut recht hatte.
„Julian… Du solltest wirklich mal dein Selbstwertgefühl in den Griff bekommen. Du bist nicht mehr das hässliche, fette, kleine Kind, dass du warst als wir uns zum ersten Mal getroffen haben“, warf nun Kim weiter ein.
„Ja, aber ich bekomme außer Zocken und meiner Gitarre nichts auf die Reihe“, antwortete Julian und bemerkte selbst wie er immer kleinlauter wurde.
„Und du hast gerade erst 50 KG verloren. Guck dir doch die ganzen anderen übergewichtigen Typen an, die das gerne schaffen würden, aber es nicht hinbekommen“, meldete sich Sandra zu Wort.
„Danke, aber du weißt genau weshalb ich das tatsächlich geschafft habe“, antwortete Julian.
„Ich bin mir nicht sicher welche Rolle das dabei spielt“, kommentierte nun Kim und Julian wollte gerade eine Antwort geben als sich sein Navigationssystem auf dem Handy zu Wort meldete.
„In einem Kilometer… Nehmen sie die Ausfahrt“, sprach es.
„Oh… Jetzt schon? Ich dachte es wäre noch weiter“, kommentierte schnell Julian und versuchte absichtlich das Thema zu wechseln. Er war nicht wirklich daran interessiert dieses Gespräch fort zu setzen oder sich an seinen Selbstmordversuch zu erinnern, bei dem er einfach das Essen verweigert hatte, nachdem er auf einen klassischen Internet-Troll herein gefallen war, der ihm vorgespielt hatte eine hübsche Frau zu sein, die an ihm interessiert wäre. Und so konzentrierte er sich lieber darauf nicht die Abzweigung zu verpassen, welche ihn auf den nächsten Autobahnabschnitt bringen sollte. Von dort an waren es noch zwei weitere Stunden Fahrt bis zum Ziel und dann wäre das Thema ohnehin für ihn erledigt.

Kapitel 2 – Das erste Metal-Festival:

Die Reise sollte weiterhin wie geplant verlaufen, sowohl was die Dauer als auch den Ablauf anging. Bevor Julian jedoch das Festival selbst besuchen konnte, musste er noch seine beiden Begleiterinnen zu deren Unterkunft bringen. Gottseidank hatten sie beide sie selbe Unterkunft gebucht. Ein unerwarteter aber sehr glücklicher Zufall. Nicht so sehr nach Plan verlief jedoch die Tatsache, dass Kim ihn dazu überredet hatte am nächsten Tag noch einmal mit dem Vehikel bei den beiden zu erscheinen und sie beide zu ihren ersten Zielorten, Sandra zur Wohnung ihres Vaters und Kim zu einer ihrer beiden Freundinnen, zu fahren. Julian hoffe lediglich dass sein kurzzeitiges Verschwinden nicht später zu Problemen mit der Platzvergabe auf dem Festival führen würde, aber auch hier galt wieder dass er das alles zunächst hinten an stellen musste. Jetzt musste er zu aller erst einmal überhaupt dort ankommen und seinen ersten Tag dort lebend überstehen. Allerdings schon als er das Festival-Gelände, scheinbar ein kleiner Sport- und Freizeitflugplatz für besser gestellte Privat-Piloten, von weitem sehen sollte verbesserte sich seine innere Stimmung erheblich. Er hatte es also endlich geschafft und war dort angekommen. Entspannt steuerte er sein Vehikel zum ersten Kontrollpunkt, wo ihn die Platzzuweiser bereits erwarteten.
„Servus. Zum ersten Mal hier?“ fragte der Mann im extra aufgebauten kleinen Kontrollhäuschen.
„Ja, generell zum ersten Mal auf nem Festival würde ich sagen“, antwortete Julian und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
„Ach so, das erklärt natürlich deine leichte Anspannung. Aber alles ist gut. Du bist ja jetzt angekommen, alles andere werden wir schon irgendwie hinbekommen“, kommentierte der Mann im Häuschen. „OK, dann machen wir mal den Anfang indem du mir dein Ticket zeigst“, sagte er anschließend und Julian reichte ihm dieses direkt. „OK, cool. Dann halte jetzt mal deinen Arm raus, damit ich dir dein Bändchen anlegen kann“, kommentierte er dann und Julian tat wozu er angewiesen worden war. Keine Sekunde später hatte er ein graues Stoffband mit einem Skelett-Muster an seinem rechten Arm und Julian konnte nicht vermeiden, dass er das Design unglaublich cool fand. „OK, das war´s dann schon. Jetzt fährst du als nächstes durch bis zum Bereich 5. Dann nach links und da sollten eigentlich genügend Flächen frei sein. Such dir einfach eine aus“, erklärte sich der Mann weiter.
„Ich hätte da noch eine kleine Frage“, meldete sich Julian etwas schüchtern zu Wort. „Die Sache ist die… Ich habe vor den Platz morgen noch einmal zu verlassen. Ich habe da zwei Damen versprochen sie noch woanders hin zu bringen. Wie ist das denn dann mit meinem Platz? Ist der dann weg, wenn ich wieder komme und gibt das irgendwelche Probleme?“ sprach er weiter und merkte selbst wie er immer kleinlauter wurde.
„Ach so… Ja, gut dass du mir das sagst… Das machen wir dann ganz kurz anders… Einen Moment…“, sagte der Platzanweiser und verschwand kurz in seinem Häuschen hinter seinem Rechner. „So, ich habe dir jetzt den Platz 5-G fest zugewiesen. Den übernimmt jetzt auch keiner mehr, selbst wenn du mal kurz diese Sache erledigen gehst“, sagte er dann nachdem er wieder vor Julian erschienen war, der direkt erleichtert ausatmete und merkte wie sich sein gesamter Körper entspannte. Das würde also schon mal keine weiteren Probleme mehr geben. „Ansonsten sollte ein Dixie-Klo an deinem Stellplatz stehen. Falls nicht, es gibt in der Nähe der Bühnen auch immer eine Reihe öffentliche Klos, aber die sind oft voll und es gibt Warteschlangen. Was zu Futtern und Bier gibt´s ansonsten überall hier, oder unten in der Stadt. Und ich hoffe mal über gutes Benehmen müssen wir uns nicht großartig unterhalten, das sollte sich von selbst verstehen“, sprach der Mann weiter.
„Auf gar keinen Fall. Ihr werdet kaum merken dass ich hier bin“, kommentierte Julian ein wenig schockiert von der Aussage die Situation.
„Ganz so heftig musst du dich jetzt auch nicht zurück nehmen. Was wir hier nur nicht wollen ich so richtig übles Chaos, also Schlägereien und sowas. Und Mageninhalte bitte in den Klo und nicht übers ganze Gelände verteilen. Genauso gehört der Müll in die Mülltüten und nicht übers Gelände verteilt. Gutes Benehmen eben“, erklärte sich der Mann noch einmal und Julian nickte dieses Mal lediglich mit dem Kopf. „Ach ja… Solltest du dich irgendwie verletzen, da vorne sind die Sanis. In einem solchen Fall bitte nicht zögern, wir wollen nicht dass irgendwas noch schlimmeres draus wird“, sagte der Mann noch und Julian nickte erneut mit dem Kopf. „OK, wenn dann alles klar ist und du keine weiteren Fragen mehr hast... Viel Spaß bei uns auf dem Festival“, sagte er dann zum Abschluss.
„Danke, Mann… Werde ich mit ziemlicher Sicherheit haben“, antwortete Julian noch und setzte sein Fahrzeug in Bewegung zu dem Platz den man ihm zugewiesen hatte. Nun war er tatsächlich angekommen und würde in Kürze seinen Stellplatz haben. Julian wusste nicht genau ob er erleichtert oder völlig aufgeregt war. Es war einfach völlig überwältigend und er musste irgendwie zusehen dass er sich vielleicht für den Anfang eine leichte Übersicht verschaffen würde.

Nachdem Julian den Platz besetzt hatte, den man ihm zugeteilt hatte, sein Fahrrad ausgeladen und am Transporter angekettet hatte, nur zur Sicherheit, sich damit befasst hatte ob Gegenstände bei der Reise beschädigt worden waren, was sie nicht waren und sein Smartphone zum Laden an die mitgebrachte Autobatterie gehängt hatte, war es nun endlich soweit. Er konnte das tatsächliche Festival besuchen gehen. Zunächst einmal galt es jedoch sich den schon erwähnten Überblick zu verschaffen. Wo waren öffentliche Toiletten? Wo ging es zu den Bühnen? Wo wäre der Ausgang, wenn er mit dem Rad Einkäufe in der Stadt tätigen gehen wollte? Und was für Leute waren eigentlich noch anwesend? Konnte er vielleicht jemanden ausmachen mit dem er rein oberflächlich betrachtet gerne in Kontakt treten würde? Das alles waren Dinge die Julian durch den Kopf gingen, während er seinen ersten Spaziergang über das Festivalgelände startete. Bereits in den ersten Minuten begann eine Phase der Entspannung einzusetzen, da ihm direkt auffallen sollte dass die Leute hier auf dem Festival im Wesentlichen die selbe Kleidung trugen wie er selbst. Meist schwarze T-Shirts mit typischen Metal-Band-Motiven und Logos darauf. Und Julian konnte nicht bestreiten dass es ihm ein gewisses Vergnügen bereitete diese zu entziffern und festzustellen, dass er tatsächlich weit über 90% der Bands, von denen die Leute Shirts trugen, kannte. Bands deren Namen er noch nie gehört hatte fand er tatsächlich eher selten vor. Einer der Anwesenden sollte ihm jedoch auffallen, da er anstatt eines typischen Band-Shirts eher ein buntes T-Shirt mit fünf niedlichen kleinen Katzen tragen sollte. Eine ungewöhnliche Wahl von Kleidung auf einem Metal-Festival, aber nichts worüber Julian sich beschweren würde. Immerhin war er selbst ein großer Katzenliebhaber und hatte zu Hause selbst Kleidung mit Katzen-Motiven, er trug diese nur nicht auf dem Metal-Festival. Und trotz alles Wohlgefühls durch das optische zusammenpassen mit den Anderen konnte Julian das Gefühl nicht loswerden, dass er oft und viel von den Leuten angestarrt wurde. Zu Hause hätte er das seinem Kleidungsstil zugeschrieben, aber hier sahen alle ganz genauso aus, das musste also einen anderen Grund haben. Vielleicht einfach weil er ein fast 2m großer Brocken war. Die waren offensichtlich selbst hier auf dem Festival ziemlich selten. Es gab sie, aber sie waren selten. Zumindest war das die Erklärung die sich Julian selbst geben sollte.
„Hey Mann… Colles Shirt“, sprach ihn plötzlich im Vorbeigehen einer der anderen Festivalbesucher an. Und ja, Julian fand sein T-Shirt von der Band Benighted auch unglaublich cool und sah sich fast reflexartig an was der andere Festival-Besucher trug. Es handelte sich um ein Shirt von der Band Stillbirth und lustiger Weise auch noch um eins dass er selbst ebenfalls zuhause hatte.
„Danke Mann, deins aber auch“, antwortete Julian ihm noch schnell, bevor sie beide aneinander vorbei gingen und ihren Weg fortsetzten. Aber Julian konnte nicht bestreiten, dass dies gerade seinen Wohlfühlfaktor um mindestens 50% erhöht hatte. Wie lange war er nun eigentlich schon auf dem Gelände unterwegs? Es fühlte sich an wie eine ganze Stunde und die Sonne brannte von oben auf seinen Kopf herab. Mittlerweile musste die Temperatur auch bei über 34 Grad liegen, zumindest fühlte es sich genauso an. Langsam drückte ihn der Durst und da er für den Moment nicht genau wusste wie weit er zurück zu seinem Platz laufen musste, entschied er sich lieber schnell ein alkoholfreies Bier an einem der Trinkstände zu kaufen und zu trinken. Das war zwar mit 4,50€ den Becher nicht billig, aber es fühlte sich auch in diesem Moment an als würde er eine ausgetrocknete Pflanze bewässern. Erst jetzt merkte Julian wie kraftlos er durch die Austrocknung geworden war. Schnell nahm er sich sein Smartphone zur Hand und sah auf die Uhr und den Ablaufplan, wobei er feststellen sollte, dass die nächste Band bald ihren Auftritt beginnen sollte. Sodom, eine alte Thrash Metal-Band. Nichts was Julian sich freiwillig auflegen würde, aber er entschied sich vor Ort zu sein und den Auftritt anzusehen. Immerhin war er dafür die ganze weite Strecke überhaupt erst gefahren. Die Menge vor der Bühne stellte sich als recht klein und überschaubar heraus. Eher vergleichbar mit den Konzerten die Julian vor dem Festival schon besucht hatte. Aber sobald die Band begann zu spielen sollte sich direkt ein kleiner Moshpit bilden in dem die Leute unkontrolliert in der Gegend herum sprangen und regelmäßig absichtlich miteinander kollidierten. Und Himmel diese Musik war live wirklich richtig gut. Viel besser als Julian erwartet hatte, so dass auch er sich diesem Moshpit nicht entziehen konnte und es auch nicht wollte. Ein paar Schritte mitten in die Menge und schon sollte bereits der erste andere rechts mit ihm kollidieren, dann der nächste von links. Julian war völlig überwältigt von diesen Kräften und kämpfte extremst mit seinem Gleichgewicht. Offensichtlich hatte er die Situation etwas unterschätzt. Weshalb auch nicht? Sein letzter Moshpit war mehrere Jahre her und als er dabei mitgewirkt hatte, hatte er 50 KG mehr auf den Rippen. Nach ungefähr zehn Kollisionen konnte Julian sein Gleichgewicht einfach nicht mehr wieder finden und stürzte zu Boden. Schmerzen durchzogen besonders sein rechtes Bein, das wohl mit dem Knie zuerst aufkommen sollte. Dabei hatte Julian noch großes Glück, denn es handelte sich um einen Boden aus Erde, Sand und vertrockneter Wiese. Es hätte sich genauso gut auch um Schotter- oder Beton-Boden handeln können. Schnell reagierten die anderen Leute und zwei davon packten seine Arme um ihm wieder auf die Beine zu helfen, während zwei weitere sich um die drei platzierten um den übrigen Moshpit von ihnen fern zu halten. Julian zeigte allen schnell einen Daumen nach oben um zu zeigen, dass alles in Ordnung war, so dass die beiden die ihm auf die Beine geholfen hatten sich wieder dem Moshpit widmeten, während er sich lieber daraus zurück zog und an den Rand ging um dort kurz seine Verletzungen zu begutachten. Tatsächlich hatte sich wohl ein kleines Stück eines Astes in sein rechtes Knie gebohrt, so dass dieses nun ungewöhnlich stark blutete. Julian spürte ein leichtes Brennen, aber er hatte keine starken Schmerzen. Und was das Bluten anging dachte er sich, dass das schon irgendwann auch wieder von selbst aufhören würde. Und so entschied er sich wieder in den Moshpit zurück zu kehren und den Auftritt der Band noch zu beenden. Dieses Mal war er besser vorbereitet und wusste welche Kräfte auf ihn wirken würden, so dass es ohne weitere Zwischenfälle verlaufen sollte. Und obwohl Julian am Ende des Auftritts der Band das Gefühl hatte, er hätte gerade eine Runde Extrem-Sport gemacht und er am Ende seiner Kräfte wäre, so hatte er auch ein massives Glücksgefühl, dass er nur schwer beschreiben konnte. Nun untersuchte er jedoch lieber schnell sein Bein und stellte fest, dass es leider immer noch blutete. Vielleicht sollte er das doch lieber behandeln lassen. Offene Verletzungen waren immer gefährlich und konnten zu weitaus schlimmeren Dingen führen als dem Verlust von ein paar Millilitern Blut. Und so führte Julians nächster Weg ihn zu den Sanitätern vor Ort, welche seine Verletzung reinigten und ihm einen Verband anlegten. Das war zwar nur sehr mittelmäßig gelaufen, aber er wusste nun besser worauf es ankam, so dass der Tag ohne weitere Zwischenfälle dieser Art verlaufen sollte. Völlig fertig zog er sich in sein Mietfahrzeug zurück und fiel förmlich in sein Bett. Morgen musste er ja zu Sandra und Kim zurück. Wie gut, dass in dem Zeitraum den er dafür vorgesehen hatte, gerade keine Bands spielten die er unbedingt sehen wollte. Da er genau wusste, dass er die beiden Damen nicht im Halbschlaf zu ihren Zielen fahren konnte gab er seiner Müdigkeit einfach nach und schlief ein ohne es überhaupt selbst zu bemerken und ungeachtet der Musik, die von anderen Leuten noch bis in die späte Nacht hinein gehört wurde.

Als Julian am nächsten Morgen wieder aufwachte fühlte er sich als ob ihn ein LKW überfahren hätte. Er war zwar wach, aber geistig nicht wirklich anwesend und innerlich tat sein gesamter Körper weh. Klassische Erschöpfungsschmerzen, die man wohl auf solchen Festivals und nach mehreren solcher Moshpits bekommen konnte. Sein Knie hingegen tat nicht mehr weh. Sein Verband war allerdings auch immer noch da wo er sein sollte. Hätte er nicht mit Sandra und Kim einen festen Zeitpunkt vereinbart an dem er wieder bei ihnen erscheinen sollte, wäre er wahrscheinlich einfach erst einmal liegen geblieben und hätte versucht noch etwas mehr Schlaf zu finden oder sich in anderer Art und Weise zu erholen, bevor die nächste Band die er meinte sich ansehen zu wollen auftreten würde. Aber so musste er sich irgendwie auf die Beine quälen, da der Zeitpunkt unweigerlich näher rückte. Schnell noch die Zähne putzen und sein Fahrrad wieder einladen und dann könnte er sich auch wieder auf den Weg machen. Dass er völlig mit dem im Moshpit aufgewirbelten Staub bedeckt war, ließ er sich jetzt einmal recht wenig stören. Das würde ohnehin heute und die anderen beiden Tage noch schlimmer werden. Nachdem er sein Fahrrad eingeladen hatte entschied er sich jedoch lieber noch einen Besuch auf der Toilette zu machen. Ein klassisches Dixi-Klo dass lediglich ein paar Chemikalien im Sammelbecken hatte um den Geruch minimalst zu überdecken. Allerdings die schienen schon längst aufgebraucht zu sein, denn der Gestank war wirklich unerträglich. Offensichtlich hatten sich mehrere Personen bereits in diese Toilette übergeben und einer hatte starken Durchfall gehabt oder noch schlimmeres. Ferner war Julian sich nicht sicher ob nicht ein paar Leute daneben gepinkelt hatten, zumindest deuteten die Flecken überall in der Toilette darauf hin. Hätte Julian die Toilette nicht so dringend besuchen müssen, hätte er wahrscheinlich lieber darauf verzichtet. Zum Glück war noch ausreichend Papier darin vorhanden. Wenn dieses jetzt auch noch ausgegangen wäre, dann hätte Julian ein größeres Problem als er hätte zugeben wollen. Nachdem dies nun erledigt war, setzte er sich in sein Fahrzeug und startete langsam seine Reise zu Sandra und Kim, die er recht früh erreichen sollte. Eine Nachricht über das Smartphone später verließen beide die Unterkunft mit ihren fertig gepackten Rucksäcken.
„Hi Julian“, sprach Kim den schon vor dem Fahrzeug wartenden Julian an und stoppte dann etwas schockiert, bevor Sandra hinzu kam und eine ähnliche Reaktion zeigte.
„Himmel Julian, was ist denn mit dir passiert?“, fragte Sandra dann direkt und deutete offensichtlich auf den Verband an seinem rechten Knie.
„Ach das… Klassische Moshpit-Verletzung“, kommentierte der lediglich und kratzte sich verlegen am Hinterkopf, bevor ihm auffallen sollte, dass keine der beiden Damen mit der Antwort zufrieden war. „Ich war gestern noch bei Sodom und wurde dort einmal ordentlich umgesenst. Aber passt schon. Alles in Ordnung. Der Sani hat gesagt ist nur oberflächlich und hat mir den Verband angelegt. Tut auch schon fast nicht mehr weh“, führte er dann vorsichtig weiter aus.
„Du musst echt etwas besser aufpassen“, kommentierte Sandra dann noch.
„Das tue ich seitdem auch. Es war halt der erste Moshpit seit vielen Jahren für mich und ich hatte keine Ahnung wie heftig das werden kann, aber jetzt weiß ich´s und komme besser klar. Ich war danach noch in zwei weiteren, da ist nichts passiert. Ihr müsst euch da also keine Sorgen um mich machen. Ich passe schon auf mich auf“, antwortete Julian dann noch. „Können wir dann jetzt los? Ich muss gestehen, dass ich möglichst schnell zurück auf´s Festival will. In zwei Stunden spielen die Warkings, die würde ich schon gerne sehen“, fügte er dann eilig an.
„Na gut, das kann ich verstehen. Also los dann“, kommentierte nun Kim und ging als erste zur Beifahrertür, direkt gefolgt von Sandra und schon waren sie auf dem Weg. Bis auf eine unglaublich tolle Landschaft mit vielen Bergen und alten Bauwerken, die man sich gut von der Straße aus ansehen konnte, sollte die Fahrt auch ereignislos bleiben. Julian kämpfte jedoch mehr mit seiner Konzentration und dem Einschlafen als er selbst bereit war zu zugeben. Er hätte niemals gedacht, dass ein Festival auf diesem Level anstrengend für ihn werden würde. Hätte er nicht die letzten 2 Jahre viel im Fitness-Studio trainiert, wäre wohl vieles von alle dem weit über seine Kräfte hinaus gegangen. Und wie der Sturz der sein Knie beschädigt hatte ausgegangen wäre, wenn er noch 50 KG mehr auf die Waage gebracht hätte, darüber wollte er lieber nicht so genau nachdenken.
„Julian… Wach bleiben“, sprach ihn plötzlich Kim von der Seite an und Julian schreckte kurz auf. Tatsächlich stand er gerade kurz davor in einen Sekundenschlaf zu fallen. Eine gefährliche Situation im Straßenverkehr, die sie alle drei das Leben kosten konnte.
„Soll ich vielleicht lieber fahren?“, warf nun Sandra noch ein und Julian schüttelte schnell verneinend den Kopf.
„Nein nein, alles gut. Ich schaff das schon. Außerdem ist von euch beiden niemand als Fahrer bei der Vermietung eingetragen. Das könnte vielleicht noch ganz andere Probleme geben“, antwortete er dann noch.
„Na gut, dann…“, brachte Sandra gerade noch heraus bevor tatsächlich etwas die Straße betreten sollte. Julian konnte in seinem verschlafenen Kopf kaum erkennen was es war. Es sah humanoid aus, ging auf zwei Beinen und hatte Arme, aber es war definitiv kein Mensch. Dafür hatte es viel zu viele Tentakel auf dem Rücken und die Art wie es ging erinnerte mehr an einen Zombie als an einen Menschen. Julian blieb kaum Zeit für überhaupt eine Reaktion als er sich entschied die Bremse so fest zu treten wie er konnte. Reifen quietschten lautstark und beide Damen schrien panisch auf vor Angst, aber es war längst zu spät. Blut und Körperteile des undefinierbaren Wesens klatschten gegen die Fahrzeugfront als es dagegen krachte. Zusätzlich dazu führte die Kollision dazu dass das Fahrzeug sich unkontrolliert zur Seite drehte und Julians verzweifelter Versuch dagegen zu lenken sollte alles nur noch schlimmer machen. Als das Vehikel sich vollkommen seitlich zur eigentlich Fahrtrichtung gedreht hatte begann es sich mehrfach zu überschlagen, bevor es den Abhang auf der linken Seite hinunter stürzte und dort nacheinander gegen mehrere Bäume krachte.

Huh? Was war gerade geschehen? Wo war er? Und wieso war er überhaupt? In Julians Kopf drehte sich alles und er konnte lediglich noch völlig verschwommen sehen. Dazu kam dieses laute unerträgliche Piepsen in seinen Ohren, dass sich immer stärker in ein noch lauteres Pfeifen umwandelte. Er konnte seinen Unterkörper nicht mehr fühlen und seine linke Körperhälfte ebenfalls nicht. Und die rechte verursachte ihm Schmerzen, wie er sie noch nie in seinem Leben gefühlt hatte. Was war gerade geschehen? Nur langsam begann sich seine Sicht zu stabilisieren und zeigte ihm einen Anblick den er unter gar keinen Umständen hätte sehen wollen. Der Transporter war völlig vernichtet an einem der Bäume hängen geblieben. Das Fahrzeug wäre unmöglich noch zu retten. Praktisch alles daran war zerstört. Sämtliche Scheiben, die Lichtanlage, die Form des Vehikels, die Front, wahrscheinlich der Motor, einfach alles. Lediglich das rechte Hinterrad war noch vorhanden und die seitliche Kollision mit dem Baum hatte eine Biegung auf diese Seite darin hinterlassen. Viel schlimmer war jedoch das ganze Blut überall. War das etwa seins? Und wo waren seine beiden Begleiterinnen geblieben? Er selbst war offensichtlich während des Unfalls aus dem Fahrzeug geschleudert worden und lag nun auf der Wiese. Aber wo waren Sandra und Kim geblieben? Ein Blick nach rechts offenbarte ihm ein weiteres Bild auf dass er lieber verzichtet hätte. Dort sollte sich eine völlig blutüberströmte Sandra wieder finden der ein Arm und ein Bein fehlte. Ihr Blick zeigte lediglich Panik und Todesangst, vielleicht noch starke Schmerzen, aber sonst nichts. Ferner zeigte sie keine Regung mehr. Offensichtlich war sie bereits tot. Aber wo war Kim? Julian versuchte nach ihr zu rufen, bekam aber keinen einzigen Laut heraus. War sein Kehlkopf zertrümmert oder kämpfte er lediglich mit Entkräftung nach einem solchen Desaster? Julian konnte es nicht sagen. Alles was er wusste war, dass er unmögliche Schmerzen hatte. Irgendetwas musste er doch unternehmen um diese wieder loszuwerden. Aber da war nichts was er unternehmen konnte. Er konnte selbst seine Gliedmaßen nicht mehr fühlen. Er konnte nicht um Hilfe rufen, er konnte gar nichts. Verzweifelt begann Julian in Tränen auszubrechen, während er sich aus für ihn unerklärlichen Gründen entschied sich mit seinem rechten Arm, dem Arm den er noch fühlen konnte vorwärts zu schleppen, in Richtung des zerstörten Fahrzeugs. Nur langsam kam er voran und jede Bewegung verursachte ihm noch stärkere Schmerzen. Dort sollte er tatsächlich Kim auf der Beifahrersitzbank finden. Sie war von einer Fahrzeugstrebe mitten durch den Torso durchstoßen worden und regte sich ebenfalls überhaupt nicht mehr. Offensichtlich war sie ebenfalls schon längst tot. Panik begann sich in Julian zu regen. Er versuchte erneut zu schreien, aber er konnte es nicht. Dann der Blick zu seinem eigenen Körper oder dem was davon übrig war. Schockiert sollte Julian feststellen, dass er lediglich noch aus seinem Torso bestand. Sein Unterkörper war zusammen mit der Hüfte ausgerissen. Sein Darm hing heraus und sein linker Arm fehlte ebenfalls. Lediglich ein Stummel seines Oberarmknochens ragte noch aus der Schulter. Julian fühlte das Bedürfnis sich zu übergeben, aber das war ihm ebenfalls nicht mehr möglich. Genauso wenig wie er schreien konnte. Was sollte er nun überhaupt noch tun? Was? WAS ZUR HÖLLE??? Plötzlich konnte er Schritte hören und als er zur Seite blickte sollte er ein weiteres dieser humanoiden Wesen mit Tentakeln auf dem Rücken erblicken, dass sich langsam und vorsichtig der Unfallstelle nährte. Was zum Teufel war das für ein Drecksviech? Es hatte mit nichts Ähnlichkeit was Julian kannte und war offensichtlich nicht in diesen Wäldern heimisch. Langsam begann es sich Sandras Leichnam zu zuwenden und schien daran zu riechen, bevor es seine gewaltigen spitzen Zähne in den leblosen Körper seiner langjährigen Freundin rammte und ein Stück daraus heraus riss um es langsam und genüsslich zu verspeisen. Julian versuchte erneut zu schreien, aber er konnte nicht. Seine Kräfte begannen zu versagen, aber er konnte doch nicht zulassen dass dieses Mistvieh seine langjährige Freundin einfach auffraß. Aber alles was er tun konnte war dabei zu zusehen, wie das Wesen Stück um Stück mit seinem Gebiss aus ihrem Körper riss, während matschige, vollkommen wiederliche Kaugeräusche seine Ohren betäubten und alles andere verdrängten was Julian sonst noch hören konnte. Er konnte nichts unternehmen. Er hatte einfach völlig versagt, so wie er es immer in Ernstfällen tat. Somit konnte er auch nicht verhindern, dass ihm schwarz vor Augen wurde und er einfach mit den anderen beiden am Unfallort verstarb.
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So, keine Angst. Die Geschichte endet nicht nach nur 2 Kapiteln. Ich denke/hoffe aber, dass jetzt mal wirklich auch jeder wissen will wie´s weiter geht und was da denn überhaupt noch weiter gehen kann. :mrgreen: Kapitel 3 wird derzeitig schon intensiv und fleißig geschrieben. Wird sicherlich nicht mehr lange dauern bis es kommt. :D
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Re: [RC18](Horror/Sci-Fi/Fantasy) Lost in Time

Beitrag von Child of Bodom »

Kapitel 3 – Das Kaiju-Monster:

Als Julian am nächsten Morgen wieder aufwachte fühlte er sich als ob ihn ein LKW überfahren hätte. Er war zwar wach, aber geistig nicht wirklich anwesend und innerlich tat sein gesamter Körper weh. Klassische Erschöpfungsschmerzen, die man wohl auf solchen Festivals und nach mehreren solcher Moshpits bekommen konnte. Sein Knie hingegen tat nicht mehr weh. Sein Verband war allerdings auch immer noch da wo er sein sollte. Irgendetwas fühlte sich jedoch sehr seltsam an. Julian hatte das Gefühl als wäre er eigentlich gerade gestorben, aber das war völlig absurd. Immerhin war er ja wach und auf dem Festival. Außerdem fühlte er seine Erschöpfung vom Vortag und das war wohl im Jenseits eher nicht möglich. Nein, wahrscheinlich hatte er irgendetwas ganz besonders gemeines geträumt und das gab ihm dieses seltsame Gefühl, dass er gerade gestorben wäre. Ja, genau das musste es wohl sein. Wie spät war es denn eigentlich mittlerweile? Schon fast 9:00. Verdammt. Er musste irgendwie schnell zu sich kommen und dann Sandra und Kim um 10:00 abholen, so wie er es versprochen hatte. Nachdem er seine Zähne geputzt und das Fahrrad verstaut hatte und diese völlig wiederliche Toilette aufgesucht hatte, setzte er sich mit seinem Fahrzeug in Bewegung und sollte tatsächlich um Punkt 9:55 an der Unterkunft der beiden Damen erscheinen, die auf eine Smartphone-Nachricht von ihm hin auch schon sehr bald bei ihm mit ihren fertig gepackten Rucksäcken erschienen.
„Hi Julian“, sprach Kim ihn direkt an und reagierte offensichtlich schockiert auf seinen optischen Zustand, bevor Sandra hinzu kam und eine ähnliche Reaktion zeigte.
„Himmel Julian, was ist denn mit dir passiert?“, fragte Sandra dann auch noch und deutete auf seinen Verband am rechten Bein.
„Ach das… Klassische Moshpit-Verletzung“, kommentierte der lediglich und kratzte sich verlegen am Hinterkopf, bevor ihm auffallen sollte, dass keine der beiden Damen mit der Antwort zufrieden war. „Ich war gestern noch bei Sodom und wurde dort einmal ordentlich umgesenst. Aber passt schon. Alles in Ordnung. Der Sani hat gesagt ist nur oberflächlich und hat mir den Verband angelegt. Tut auch schon fast nicht mehr weh“, führte er dann vorsichtig weiter aus, bevor er selbst ziemlich schockiert reagierte. Hatte er dieses Gespräch nicht irgendwie schon einmal geführt? Nein, das hatte er ziemlich sicher nicht. Hatte er das etwa nur geträumt? Aber wie war es dann möglich dass es sich in der Realität genauso abspielte wie im Traum? Ach was, wahrscheinlich bildete er sich das alles einfach nur ein, so wie meistens wenn ihm irgendetwas seltsam erschien, so wie zum Beispiel die Kassiererin im Supermarkt von der er dachte sie würde mit ihm flirten, es aber wahrscheinlich gar nicht wirklich hatte.
„Du musst echt etwas besser aufpassen“, kommentierte Sandra und riss ihn aus seinem völlig absurden Gedankengang.
„Das tue ich seitdem auch. Es war halt der erste Moshpit seit vielen Jahren für mich und ich hatte keine Ahnung wie heftig das werden kann, aber jetzt weiß ich´s und komme besser klar. Ich war danach noch in zwei weiteren, da ist nichts passiert. Ihr müsst euch da also keine Sorgen um mich machen. Ich passe schon auf mich auf“, antwortete Julian darauf. „Können wir dann jetzt los? Ich muss gestehen, dass ich möglichst schnell zurück auf´s Festival will. In zwei Stunden spielen die Warkings, die würde ich schon gerne sehen“, fügte er dann eilig an.
„Na gut, das kann ich verstehen. Also los dann“, kommentierte nun Kim und ging als erste zum Transporter, Sandra folgte direkt drauf, so dass Julian dann seinen Platz als Fahrer einnehmen konnte und so schnell er konnte und es die Verkehrssicherheit zuließ die Reise startete.

Bis auf eine unglaublich tolle Landschaft mit vielen Bergen und alten Bauwerken, die man sich gut von der Straße aus ansehen konnte, sollte die Fahrt ereignislos bleiben. Julian kämpfte jedoch ein wenig mit seiner eigenen Müdigkeit. Wahrscheinlich war es einfach nur viel zu warm hier im Vehikel und deshalb entschied er sich schnell das Fenster zu öffnen. Tatsächlich sollte sich ein Luftzug bilden, der zwar nicht wirklich kühl war, sich aber bei der unmöglichen Hitze im Fahrzeug zumindest so anfühlte. Er konnte außerdem direkt fühlen wie seine Müdigkeit etwas abnahm und er sich wieder etwas besser auf die Straße konzentrieren konnte.
„Wie weit ist es eigentlich noch bis wir ankommen?“, warf nun Kim ein.
„Sollte laut Navi nicht mehr allzu weit sein. Noch zwei Dörfer oder so“, antwortete Julian, bevor er instinktiv das Steuer nach links riss und sogar kurz die Gegenfahrbahn schnitt. Reifen quietschten laut auf und beide Damen schrien panisch, bevor Julian eine weitere Lenkbewegung nach rechts ausführte und zurück in seine normale Fahrspur kehrte, wo er weiter geradeaus fuhr als wäre gerade nicht das geringste geschehen. Tatsächlich war er gerade einem eigenartigen humanoiden Wesen ausgewichen, dass plötzlich und ohne jede Vorwarnung von der rechten Seite her auf die Straße getreten war. Er konnte jedoch nicht viel mehr erkennen als dass es Arme und Beine hatte, wie ein Mensch auf zwei Beinen ging, sich dabei aber eher bewegte wie ein Zombie das würde. Für einen Zombie sah es allerdings nicht menschlich genug aus.
„Was war das?“, warf Sandra noch völlig unter Schock ein, während Kim offensichtlich noch versuchte die Situation irgendwie geistig zu verarbeiten.
„Keine Ahnung…“, antwortete Julian unsicher darüber was ihm gerade passiert war. Und wie zum Teufel war es ihm möglich gewesen diesem Etwas auszuweichen, bevor er überhaupt wusste dass es kommen würde. „Ich schätze irgendein einheimisches wildes Tier, oder so… Keine Ahnung…“, fügte er offensichtlich selbst noch etwas unter Schock hinzu.
„Ich hab´s echt gar nicht kommen gesehen. Wahnsinns Reaktion von dir Julian, echt ey“, kommentierte Sandra die Situation, während Kim sich lieber entschied ihm einfach eine ungewollte Umarmung zu verpassen.
„Das war wirklich genial Julian. Wir wären wahrscheinlich alle tot, wenn du nicht so unglaublich gut reagiert hättest“, kommentierte sie dann.
„Ähhh… Danke… Aber kannst du mich jetzt wieder los lassen? Ich muss hier immerhin noch fahren“, antwortete Julian extrem unsicher und nicht zuletzt deshalb weil ihm Kims Umarmung nicht so recht war, wie sie es sich wahrscheinlich selbst vorstellte.
„Schaffst du das denn, nach einer solchen Sache, oder sollen wir nicht lieber eine kurze Pause machen?“, fragte dann Kim während sie sich wieder von Julian löste.
„Nein, Nein. Alles gut. Das schaffe ich schon. Es sind ja nur noch zwei Dörfer und dann sollten wir zumindest schon in der Stadt sein“, antwortete Julian auf den sowohl der Schock des gerade beinahe geschehenen Verkehrsunfalls, als auch der über die ungewollte Umarmung von Kim nachwirkten.
„Das stimmt wohl… Aber wir sollten irgendwo ne Pause machen und was essen oder so, wenn wir ankommen“, kommentierte Sandra.
„Ja, das sollten wir wohl…“, antwortete Julian, der erst jetzt merkte wie angespannt er immer noch war und wie schnell sein Atem.
„Fahren wir doch einfach zum BK oder so. Ich brauche jetzt wirklich irgendwas, was mich ablenkt“, schlug nun Kim vor und die anderen beiden nickten lediglich zustimmend.

Selten war Julian so froh an seinem vorläufigen Zielpunkt angekommen zu sein, wie er es dieses Mal war. Gerade war er noch dem Tod um ein Haar entkommen und nun saß er in einer Burger King-Filiale mit seinen beiden besten Freundinnen und verspeiste genüsslich ein Big King XXL-Menü, dass er nach seinem eigenen Gefühl auch dringend nötig hatte, da ihn immer noch die Kraftlosigkeit nach dem ersten Festivaltag drückte. Vielleicht würde ihm das etwas Energie zurück geben, immerhin brauchte er die wenn er heute tatsächlich noch zu den Warkings und anderen Bands in den Moshpit gehen würde. Sandra hatte sich lieber ein Crispy Chicken-Menü geholt und Kim bevorzugte es lediglich eine große Portion Pommes und einen Kaffee zu sich zu nehmen. Aber allen dreien konnte man im Gesicht ansehen wie sehr sie immer noch mit der Situation kämpften. Lange Zeit sprach keiner von ihnen ein Wort, während sie sich ihre Bestellungen zu Gemüte führten.
„Was mich immer noch sehr verwirrt ist was das für ein komisches Viech war und wo es überhaupt herkam“, traute sich dann Sandra zu sagen.
„Mich verwirrt da ehrlich gesagt eher wie Julian es hatte sehen können“, fügte Kim dann noch an.
„Ja das ist tatsächlich auch ein guter Punkt. Es kam ja wirklich aus dem Nichts. Niemand hat es sehen können…“, kommentierte Sandra weiter.
„… Und Julian hier hat es irgendwie geschafft das alles voraus zu sehen und dem Vieh dann sogar noch auszuweichen“, beendete Kim den Satz von Sandra nun.
„Ernsthaft mal Julian. Wann bist du eigentlich ein Hellseher geworden?“, fragte nun Sandra und wandte sich dabei Julian zu. Ihr Tonfall deutete auch darauf hin, dass dies ihr völliger Ernst war, was Julian so sehr erschreckte, dass er sich an einem Stück seines Big King XXLs verschluckte und zunächst eine Weile hustete, bevor er antworten konnte. Es war sogar keine Übertreibung zu sagen, dass er beinahe an dem Stück seines Burgers erstickt wäre.
„Naja, ich hab´s schon irgendwie rechts im Augenwinkel gesehen… denke ich…“, antwortete er dann auf Sandras Frage und wirkte auch auf sich selbst erschreckend unsicher bei der Antwort. Er wusste ja selbst nicht so genau wieso er eine solche schnelle Reaktion gezeigt hatte. Auch für ihn selbst fühlte es sich an als hätte er genau gewusst, dass das Wesen in genau diesem Moment an genau dieser Stelle erscheinen würde und was er tun musste. Beinahe so als hätte er die Situation schon einmal erlebt. Aber das war vollkommen unmöglich, das wusste er. Und dennoch konnte er das Gefühl nicht abschütteln, dass da noch mehr war, wesentlich mehr. Kim wollte offensichtlich gerade etwas sagen, aber als sie den Mund aufmachte um die Laute zu formen krachte es draußen in extremer Lautstärke, vergleichbar mit einem Flugzeugabsturz oder dem Einschlag einer Bombe. Panische Schreie von Passanten folgten, bevor die ersten panischen Menschen an der Burger King-Filiale vorbei rannten. Offensichtlich kamen sie wohl aus dem Zentrum der Stadt und schienen diese so schnell verlassen zu wollen, wie es ihnen möglich war.
„Was war das?“, fragte eine verängstigte Kim und auch Sandra zeigte starke Angstreaktionen.
„Ich schätze wenn wir das wissen wollen, müssen wir nach draußen gehen und nachsehen“, kommentierte Julian die Situation, schmiss seinen Burger aufs Tablett und stürmte als erstes nach draußen. Nicht aus Neugier, eher weil er der erste sein wollte, der über eine mögliche Gefahr Bescheid wüsste und ihr dadurch schneller entgehen könnte. Was er dort jedoch vorfinden sollte überstieg alles was er sich jemals auch nur im Ansatz hätte vorstellen können.

Alleine die Größe des Wesens dass Julian vor sich sehen sollte war absolut erschreckend. Mindestens 15m hoch musste es sein, vielleicht aber auch 20. So genau konnte Julian das nicht sagen bei dieser Größenordnung. Fakt war jedoch, dass dieses Etwas die Gebäude um sich herum um sein eigenes Kopfmaß einmal vollständig überragte. Es ging ein wenig gebückt, so dass es sogar noch länger wirkte als es hoch war und nutzte seine gewaltigen Arme, die in Sicheln endeten als Stütze. Es wirkte dabei außerdem als würde es lediglich aus seinem eigenen Skelett bestehen, wobei es definitiv kein übergroßer Mensch war und auch sonst nichts was Julian bekannt wäre. Als wäre ein solches Wesen nicht schon erschreckend genug, erledigten der Kopf und das Gesicht den Rest. Dieses erinnerte mit seinen spitzen, riesigen Zähnen und seinem breiten Maul am ehesten an einen Anglerfisch. Ein Fisch den Julian kannte, weil er ihn schrecklich verängstigte, was nicht zuletzt auch daher kam, dass er ohnehin starke Angst vor Fischen hatte, vor derartig heftig aussehenden wie Anglerfischen erst recht. Panik machte sich in ihm breit. Schweiß begann ihm unkontrolliert aus allen Körperporen zu laufen und er wusste nicht mehr was er jetzt genau tun sollte. Kims unkontrollierter lauter Aufschrei und Sandras erschrockener Gesichtsausdruck machten die Sache nicht gerade einfacher für ihn. Ebenso wenig die schreienden Passanten, die eindeutig versuchten vor diesem Monster zu fliehen und an den dreien vorbei fegten ohne sie zu beachten. Was sollte Julian denn jetzt tun? Was war das überhaupt für ein Vieh? Wäre weglaufen jetzt nicht irgendwie angebracht? Könnte er dem Viech dort überhaupt entkommen, ganz besonders zu Fuß? Seine Gedanken waren einfach völlig vernebelt und so sehr er versuchte wegzulaufen, seine Beine wollten sich einfach nicht bewegen. Himmel, er musste doch irgendetwas tun. Er konnte doch nicht einfach warten bis dieses Wesen ihn und die beiden Frauen die ihn begleiteten einfach umbringen würde. Nachdem das Wesen eine Weile selbst nur da gestanden hatte und keine Reaktion gezeigt hatte, begann es sich nun in Bewegung zu setzen, wobei seine Bewegungsart am ehesten mit einem Schimpansen zu vergleichen sein sollte. Entsprechend schnell war es dabei auch, was überraschend schnell sein sollte für seine gewaltige Größe. Dabei interessierte das Wesen nur wenig ob es auch tatsächlich durch den Straßenzug passte, durch den es gerade stürmte. Fahrzeuge wurden einfach zur Seite geschleudert oder gleich überrannt und platt gequetscht und Engstellen bei den Gebäuden einfach ignoriert ungeachtet der Tatsache, dass das Monster dabei ganze Stücke aus ihnen heraus riss, die wiederum auf die Straße krachten und dort weitere Fahrzeuge oder auch die Fahrbahn selbst beschädigten. Und kam es etwa gerade auf Julian, Sandra und Kim zu? Um Gottes Willen, jetzt war nicht die Zeit um irritiert und schockiert in der Gegend herum zu stehen und dem Verderben zu zusehen. Wo stand der gemietete Transporter? Mit dem könnten die drei vielleicht einfach entkommen. Da weder Sandra, noch Kim auf die Gefahr reagierten und nicht genug Zeit war ihnen beiden den Plan zu erklären, packte Julian sie schnell beide am Arm und zog sie hinter sich her, als er versuchte sein Mietfahrzeug zu erreichen. Dummerweise war es wesentlich schwieriger als er es erwartet hatte mit den beiden Frauen zusammen zu rennen, zumal diese ihn leider eher ausbremsten als alles andere. Dennoch zog er sie weiter hinter sich her, während das Monster ihm schnell immer näher kommen sollte. Er würde es nicht bis zum Vehikel schaffen, nicht bevor das Monster ihn und beide Damen überrennen würde. Somit entschied er schnell die Richtung zu ändern. Nach rechts, auf eine kleinere Seitenstraße zu. Unaufhaltsam kam das Wesen näher und Julian merkte wie ganz besonders Kim die Ausdauer ausgehen sollte, aber sie traute sich nicht sich zu beschweren. Sie ließ sich einfach weiter von ihm hinter her ziehen, während hinter ihr lautstarke Zerstörung tobte. Als Julian sich das nächste Mal umdrehte um nach dem Monster zu sehen, stellte er fest, dass es seinen Kopf nach unten bewegt hatte und sein Maul geöffnet hatte, während weitere Passanten verzweifelt versuchten zu entkommen. Und noch schockierter sah er mit an, wie es in einer unglaublich schnellen Bewegung zubeißen sollte und dabei den größten Teil der Passanten in seinem riesigen, mit spitzen Zähnen besetzten Maul verschlag. Lautstarke Schreie gefolgt von matschigen Geräuschen zerquetschter Körper und Krachen von brechenden Knochen durchzogen die Straßen, während Blut die gesamte nähere Umgebung rot färbte. Julian entschied sich seine Schritte noch weiter zu beschleunigen ungeachtet der Tatsache, dass er Sandra und Kim hinter sich her schleppen musste und Kim sicherlich nicht mehr lange rennen konnte. Aber auch bei Sandra zeigten sich erste Erschöpfungserscheinungen. Es jedoch nicht mehr weit bis zur Seitenstraße. Plötzlich stolperte Kim und fiel zu Boden. Lediglich der Tatsache, dass Julian ihren Arm dabei losgelassen hatte, war es zu verdanken, dass sie die anderen beiden nicht mitgerissen hatte. Schnell stoppten diese, während Kim sich wieder aufrichtete und einen Schritt tat um ihnen zu folgen, als plötzlich das Maul des Monsters hinter ihr erschien und dieses versuchte sie zu verspeisen. Zwei der spitzen Zähne bohrten sich direkt durch ihren Kopf und ihre linke Schulter. Blut spritzte in förmlich alle Richtungen, bevor sie völlig im Maul des Wesens verschwand und nicht einmal die Zeit gehabt hatte zu schreien. Knochen krachten, Fleisch matschte und Blut lief dem Maul der Bestie während dieses noch auf Kims Körper rumkaute. Sandra schrie lautstark auf wobei sie ungewollt die Aufmerksamkeit der Bestie auf sich ziehen sollte. Es war jedoch nicht mehr weit bis zur Seitenstraße und obwohl Julian nicht weniger schockiert von dem eben Geschehenen war, entschied er sich Sandra erneut am Arm zu packen und hinter sich her zu ziehen, während er versuchte die Straße zu erreichen. ‚Schneller, Schneller‘, dachte er sich, während er immer näher kommen sollte und die Straße tatsächlich erreichte.

„Puh, das war ganz schön knapp kommentierte er noch“, und sah zu Sandra, die jedoch nur noch aus einer Hälfte bestand. Kurz bevor er mit ihr hatte in der Seitenstraße verschwinden können, hatte die Bestie mit ihrem sichelförmigen Arm zugeschlagen, der offensichtlich genauso scharf gewesen war, wie er optisch gewirkt hatte. Sandra war fein säuberlich in der Mitte zerteilt worden und eine Hälfte von ihr war dort zurück geblieben, während Julian die andere am Arm hinter sich her gezogen hatte ohne das alles bemerkt zu haben. Entsprechend waren einige ihrer Innereien bereits heraus gequollen und hatten sich zusammen mit ihrem Blut über die gesamte Laufstrecke verteilt. Erschrocken stieß er ihre Überreste von sich, während er sich schnell die Hand auf den Mund drückte um nicht ebenfalls laut aufzuschreien und gegen das Bedürfnis sich zu übergeben ankämpfte. Zumindest würde das Monster nicht in diese Straße hinein passen, dessen war Julian sich relativ sicher, auch wenn es versuchte ihn in dem Straßenzug zu erkennen. Auf einmal sollten die beiden vordersten Gebäude der Straße mit einem lautstarken Krachen zerstört und in Stücken in alle möglichen Richtungen geschleudert werden. Trümmer krachten rum um Julian auf den Boden und verfehlten ihn nur knapp, während das Monster ihm nun wieder folgten sollte. Erschrocken wandte Julian sich wieder der Flucht zu und stürmte die Straße entlang, was er ohne beide Damen hinter sich her ziehen zu müssen auch wesentlich schneller konnte. Aber das Wesen sollte nicht einfach aufgeben und durchbrach eine Gebäudereihe nach der anderen, während Julian nun erneut nach rechts in eine noch kleinere Straße abbiegen sollte. Aber auch die sollte das Monster nicht zum Aufgeben bringen, welches sich weiter durch ganze Gebäudezüge hindurch bewegte und diese einfach zerstörte. Schockiert sollte Julian nun auch noch feststellen, dass er in eine Sackgasse hinein gerannt war, als er vor einer hohen, massiven Mauer stand.
„Nein, nein, NEEEEEEEEIIIIIIIIIIN!!!!!!!!!!!“, schrie er auf, während er mehrmals mit der Faust gegen die Wand schlagen sollte ungeachtet der Tatsache, dass er damit eher seine Hand als die Mauer beschädigte. Schockiert drehte Julian sich um und stellte fest, dass das Monster ihm bereits sehr nahe gekommen war und dass es nicht den geringsten Ausweg aus der Situation geben sollte. Verzweifelt sah er nach links und nach rechts ob es nicht doch eine Option gäbe, aber da war nichts. Lediglich massive Mauern und auch keine anderen Optionen die sich ihm erschlossen. Als ihm sein eigenes Versagen und der bevorstehende, sichere Tod bewusst werden sollten, begann Julian in Tränen auszubrechen. Sein Vater hatte immer recht gehabt. Er war ein verdammter, beschissener Vollversager und jetzt würde er wie einer sterben. Und gottverdammt er wollte nicht sterben. Er hatte doch gerade erst eine perfekte Umgebung auf dem Metal-Festival für sich entdeckt, es fühlte sich einfach so unglaublich scheiße an genau jetzt zu sterben. Er hatte doch noch nicht einmal seine erste Freundin gehabt. Langsam begann er nun auch noch vor dem Monster auf die Knie zu fallen, in dessen unglaublich hässliches und fürchterliches Gesicht er noch starrte, bevor es ihn mit einem schnellen Biss verschlingen sollte. Zähne bohrten sich in seinen Körper und für einen kurzen Moment wurden die Schmerzen unerträglich bevor einfach alles schwarz wurde und er, genau wie zuvor Kim und Sandra, einfach sterben sollte.
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So, wie man sehen kann hab ich mich doch entschieden das nächste Kapitel heute noch zu posten, anders als ich im Kommentar-Thema angekündigt hatte. Der Grund ich einfach der, dass man dadurch jetzt vielleicht minimalst mehr Ahnung haben sollte, worum diese Geschichte jetzt genau geht und warum sie den Titel "Lost in Time" bekommen hat. :D Ich hoffe es bleiben immer noch genug Mysterien übrig um Interessenten beim Lesen zu halten. Ich muss an der Stelle zugeben, das mein eigenes Vorab-Konzept ungefähr bis hier hin gegangen ist und ich tatsächlich selbst genauso gespannt bin, wie ich die Geschichte jetzt weiter gestalte wie ihr. :rofl:
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Re: [RC18](Horror/Sci-Fi/Fantasy) Lost in Time

Beitrag von Child of Bodom »

Kapitel 4 – Der große Militäreinsatz:

Laut schreiend wachte Julian aus seinem Schlaf auf und begann schnell seinen Körper nach Verletzungen abzusuchen. Da waren aber keine, lediglich der Verband an seinem rechten Knie, welches ebenfalls kaum noch schmerzte. Offensichtlich war alles wohl nur ein ziemlich gemeiner Traum gewesen. Natürlich war es das. Als ob so etwas tatsächlich passieren könnte, dachte Julian sich als er in unkontrolliertes Gelächter ausbrach. Gefressen von einem riesigen Kaiju-Monster… Was für einen Schwachsinn sich das menschliche Gehirn aber auch manchmal ausdenken konnte und es dann nachts im Traum als Real verkaufte, so wie in seinem Falle. Und manchmal fühlte sich so etwas auch einfach ziemlich echt an, auch wenn es das gar nicht war. Andere klassische Beispiele für solche Träume waren etwa der unendlich tiefe Absturz oder die Variante in der man schon längst tot war und sich als Geist durch die Welt bewegte. Keiner davon war real und dieser hier war es auch nicht, egal wie es sich für Julian gerade anfühlte. Jetzt musste er sich aber unbedingt beeilen. Immerhin wollte er Sandra und Kim abholen und in die Stadt fahren und das am besten bevor er die nächste Band verpassen würde, die sein Interesse geweckt hatte. Und so quälte er sich aus seinem improvisierten Bett auf, öffnete die Seitentür des Transporters und putzte schnell draußen seine Zähne.
„Hey Mann… Ist alles klar bei dir? Ich hab dich eben schreien gehört…“, sprach ihn plötzlich einer der anderen Festivalbesucher, die den Platz neben ihm belegt hatten, an.
„Ähm… Ja… Alles in Ordnung… Hatte wohl nur nen voll fiesen Albtraum“, antwortete Julian noch etwas unsicher.
„Ah… Verstehe… Ich seh grad, du hast da auch ein Fahrrad dabei. Fährst du hier eigentlich auf dem Festival Rad oder wie?“, fragte sein Festival-Nachbar nun weiter.
„Nö… Aber runter in die Stadt zum Supermarkt und so… Da ist das ganz praktisch“, antwortete Julian.
„Ahhhh… Na klar. Das ist tatsächlich ziemlich schlau“, kommentierte der Festival-Nachbar. „Kannst du uns eventuell Bescheid sagen, wenn du so eine Einkaufstour machst? Wir bräuchten da auch noch ein paar Sachen“, sprach er dann weiter.
„Tatsächlich fahre ich jetzt erst nochmal kurz vom Platz weg. Ich hab da zwei Damen versprochen sie mit der Kiste hier in die Stadt zu bringen. Wenn du mir schnell ne Liste geben kannst, kann ich dir von der Tour die Sachen mitbringen. Das einzig wichtige ist, dass ich wieder hier bin, wenn die Warkings spielen. Die wollte ich schon sehen“, antwortete Julian.
„Die Warkings? Ja, die wollte ich auch sehen. Dann lass erst mal mit den Einkäufen und erledige diese Sache die du da vor hattest. Das ist nicht so dringend, dass es nicht noch bis zu deiner nächsten Tour warten könnte“, antwortete der Nachbar Julian.
„Ey Marc… Komm schon… Gleich spielt Immortal. Die wollten wir uns doch zusammen ansehen“, warf nun einer der Gruppe seines Nachbarn ein.
„Yo, ich komme gleich“, antwortete der als Marc angesprochene Typ aus Julians Nachbar-Camp. „Also, ich muss dann wohl auch mal los. Wir sehen uns. Wir sind ja Camp-Nachbarn“, kommentierte er dann noch und machte sich auf den Weg. Julian verstaute nun noch sein Fahrrad und suchte eine Toilette auf, wobei er sich spontan vor dem Toilettenhäuschen entschied lieber ein anderes zu wählen, da er bei dieser ganz speziellen Toilette aus einem ihm nicht bekannten Grund ein ziemlich schlechtes Gefühl hatte. Allerdings war auch diese Toilette ziemlich wiederlich und Julian fragte sich ob die andere nicht doch besser gewesen wäre. Dennoch beendete er was er begonnen hatte und machte sich dann auf den Weg um Kim und Sandra abzuholen.

Tatsächlich sollte die Fahrt recht ereignislos bleiben. Sandra und Kim standen bereit und natürlich hatten weder Kim noch Sandra es sich nehmen lassen seinen Verband am Bein zu kommentierten. Julians größtes Problem war dabei jedoch nicht dass sie sich Sorgen um ihn machten, sondern dass dieses Gespräch dem aus seinem Traum viel zu ähnlich verlaufen war. Was war hier eigentlich los? Seit wann wurden Träume real? Und musste er sich jetzt auch Sorgen machen, dass ihn ein großes Kaiju-Monster fressen würde? Julian entschied sich darüber lieber nicht allzu viel nachzudenken und gab die nötigen Daten in sein Navigations-System ein, welches gleich eine passende Route anzeigte. Aber auch hier missfiel Julian irgendetwas. Er konnte nicht genau sagen was es war, aber er entschied sich lieber die alternative Route zu wählen, welche zwar etwas länger sein sollte, ihn aber auch aus der anderen Richtung in die Stadt führen sollte.
„Julian? Stimmte irgendwas mit der Strecke da nicht oder warum nimmst du lieber die längere?“, warf Sandra ein, die ihn offensichtlich genauer beobachtet hatte als Julian das gerade recht war.
„Naja, ich hab bei der Kürzesten hier nicht so ein gutes Gefühl, irgendwie. Da ist doch bestimmt ne Baustelle auf dem Weg oder sowas“, antwortete er dann etwas unsicher, da er sich diesen Grund offensichtlich schnell aus den Fingern gesaugt hatte um irgendwie sein absolut unfundiertes, schlechtes Gefühl erklären zu können.
„Spielt ja auch eigentlich nicht wirklich ne Rolle, welche Strecke wir nehmen. Hauptsache wir kommen am Ende auch dort an“, kommentierte nun Kim und Sandra schien zumindest zustimmend zu nicken, da auch sie sich der Logik beider Antworten nicht entziehen konnte. Danach startete Julian den Motor und setzte das Fahrzeug in Bewegung. Bis auf die unglaubliche Landschaft auf dieser Strecke sollte die Fahrt jedoch recht ereignislos bleiben, so dass die drei die Stadt sehr bald erreichen sollten. Ab jetzt waren es nur noch wenige Minuten Fahrt bis er Sandra und Kim an deren Zielort abliefern konnte und er lag ziemlich gut in der Zeit, trotz des Umwegs den er wegen seines schlechten Gefühls genommen hatte. Wenn alles weiter so gut verlief, dann käme er nicht nur eine halbe Stunde vor dem Auftritt der nächsten Band die ihn interessierte an, er könnte sich vielleicht auch noch in der Stadt etwas zu Essen holen gehen. Beim Gedanken an Essen konnte Julian leider nicht vermeiden, dass sein Magen sich ungewollt lautstark meldete, sehr zu seinem eigenen Missfallen. Noch ungewollter musste er wahrscheinlich gerade auch noch rot angelaufen sein, was die ohnehin schon peinliche Situation noch peinlicher für ihn machte. Sandra und Kim kicherten jedoch lediglich kurz.
„Ich glaube du brauchst dringend mal was zu futtern, so wie ich das sehe“, kommentierte erstere.
„Wir sind ja eh etwas zu früh dran. Wir sollten noch zum BK fahren oder so“, fügte letztere noch an.
„Passt schon… Ich komme klar“, antwortete Julian immer noch schrecklich peinlich berührt, als tatsächlich ein Burger King-Filiale in seinem Sichtfeld erschien und diese auch den anderen beiden direkt auffiel.
„Na das nenn ich ja mal wirklich gutes Timing“, kommentierte Sandra die Situation.
„Ich eher Schicksal, aber ja. Wir sollten wirklich dort anhalten, wenn wir denn schon mal da sind“, fügte Kim hinzu und Julian seufzte einmal kurz, da ihm klar wurde dass es keinen Sinn hatte zu wiedersprechen. Und so steuerte er das Fahrzeug auf den Parkplatz und die drei gingen hinein, wo sie recht schnell ihre Bestellung aufgeben konnten und diese auch erhielten, da um diese Uhrzeit ohnehin gerade wohl recht wenig Betrieb war. Julian wollte sich das Essen zwar mitnehmen, aber auch hier bestanden die beiden Damen darauf es in der Filiale zu essen, so dass er sich auch hier mit recht wenig Aufwand überreden ließ und sich mit seinem Tablett gerade zu den beiden setzen wollte als es draußen lautstark krachte. Das konnte doch nicht wahr sein. Das war ja alles wie in seinem Traum. Erschrocken lies Julian sein Tablett mitsamt Essen auf den Tisch fallen und stürmte nach draußen um sich davon zu überzeugen, was hier gerade vor sich gehen sollte und auch Kim und Sandra ließen nicht lange auf sich warten und folgten ihm recht schnell.

Julian konnte kaum glauben was er da zu sehen bekam. Mal ganz zu schweigen davon dass dort vor ihm ein Gebäude hohes Monster stand: Das war doch das selbe Monster wie das aus seinem Traum heute Nacht. Wie war das alles überhaupt möglich? Und was hatte das zu bedeuten? Julian begann lediglich innerlich noch panischer zu werden als er langsam begann zu verstehen, dass es sich nicht nur um einen Traum gehandelt haben musste. Aber um was dann? Schnell nahm er einen Blick nach rechts und einen nach links, wo er Sandras und Kims fast noch schockiertere Gesichter sehen konnte, die ihm verraten sollten, dass er sich das gerade nicht nur eingebildet hatte. Ebenso taten dies die panisch von dem Monster weg rennenden und dabei laut schreienden Passanten. Schnell hatte Julian jedoch auch erkannt, dass es keinen Sinn hatte vor dem Wesen in Ehrfurcht zu erstarren. Er, Sandra und Kim mussten schnell von hier weg, bevor das Monster sich vielleicht entscheiden würde in ihre Richtung zu stürmen.
„Los… Zum Transporter… Schnell…“, sprach er die beiden lediglich an und es war Sandra, die als erste darauf reagierte und nun Kim am Arm packte um sie hinter sich her zu ziehen. Anders als in seinem Traum sollten sie das Fahrzeug dieses Mal erreichen und alle drei sprangen förmlich hinein. Da Julian der erste war, sollte er bereits den Motor gestartet haben, als Sandra und Kim ebenfalls einstiegen.
„Los! Los! Los!“, rief Sandra aus, als Julian den ersten Gang einlegte und mit Vollgas und laut quietschenden und sogar qualmenden Reifen das Burger King-Gelände verließ. Dabei störte es ihn unglaublich wenig, dass er ein anderes geparktes Fahrzeug an dessen Front mit der seitlichen Front seines Fahrzeugs berührte und nicht zu unterschätzende Schäden an beiden hinterließ. Viel schneller als Julian eigentlich das Gefühl hatte ein Fahrzeug noch kontrolliert steuern zu können bog er nun mit der beschädigten Front seines Transporters auf die Straße und beschleunigte so schnell es ihm möglich war. Momentan sollten die drei recht gut voran kommen, da sich sonst keine Fahrzeuge auf dem Weg zu befinden schienen und mit etwas Glück könnten sie die Stadt bald verlassen und sich in Sicherheit bringen.
„Was zum Teufel ist das für ein Mistvieh?“, traute sich nun Kim zu fragen, nachdem sie offensichtlich die ganze Zeit zu verängstigt gewesen war um irgendetwas zu sagen oder zu tun.
„Ich hab keine Ahnung!“, rief Sandra aus, während Julian sich lieber auf das Steuern des Fahrzeugs konzentrierte. Immerhin raste er gerade mit weit über 80KM/H über eine Stadt-Hauptstraße. Das wäre auch ohne ein riesiges Kaiju-Monster im Hintergrund lebensgefährlich. Plötzlich rammte er in einer unglaublich schnellen Reaktion den Fuß auf das Bremspedal. Erneut quietschten die Reifen und sowohl Sandra als auch Kim schrien laut in Panik auf, bevor das Vehikel tatsächlich nur wenige Zentimeter vor dem Endes eines Staus zum Stehen kommen sollte.
„FUCK! FUCK!!! FUUUUUUCK!!!!!!!“, fluchte Julian und schlug mit beiden Fäusten auf das Lenkrad.
„Was machen wir jetzt?“, meldete sich Kim erneut völlig in Panik zu Wort, als plötzlich laut krachen sollte und ein Stoß das Fahrzeug durchzog, der sie alle drei durchschütteln sollte. Ganz eindeutig hatte jemand anderes nicht solche guten Reaktionen wie Julian gezeigt und war hinten in den Transporter der drei gekracht.
„Shit!“, konnte sich nun Sandra einen Fluch nicht verkneifen, während Julian versuchte zu erkennen, was den Stau denn eigentlich verursacht hatte. Aber es war zwecklos, dazu war die Schlange aus Autos einfach zu lang ausgefallen. Auf einmal krachte es erneut, aber in anderer Form, bevor Gebäudetrümmer von oben herab regneten und auf Autos rund um die drei krachten. Julian hatte keinen Zweifel daran, dass das Monster dafür verantwortlich sein sollte.
„Gottverdammt… Scheiß drauf!“, rief er aus, bevor er den ersten Gang einlegte und noch einmal Vollgas geben sollte. Dabei versuchte er mit der größeren Größe und höheren Masse seines Transporters einfach durch die Auto-Schlange vor sich zu brechen, scheiterte aber bereits an den ersten beiden Fahrzeugen vor sich. Erneut krachte es, bevor lediglich dumpfe, tiefe Geräusche die Umgebung beschallen sollten. Wahrscheinlich hinterließen Monster wie dieses solche Töne, wenn sie einfach nur Schritte ausführten. Julian sollte außerdem bemerken, wie immer mehr Leute ihre Fahrzeuge verließen und zu Fuß weiter in die entsprechende Richtung rennen sollten. Allerdings erst ein kurzer Blick in die Rückspiegel seines eigenen sollte ihm den Grund dafür verraten, denn das Monster sollte mit erschreckend hohem Tempo genau auf diesen Stau und damit auch auf die drei zukommen. Andere Vehikel wurden dabei einfach zerquetscht oder zur Seite weg geschleudert, während das Wesen sich unaufhaltsam nährte und sie sicherlich schneller erreichen würde als ihnen allen lieb sein sollte. Mittlerweile waren nur noch vier andere Fahrzeuge zwischen dem Transporter und dem Monster.
„Raus hier!“, rief Julian schnell aus, bevor er als erster die Tür öffnete und heraus sprang. Kim, welche auf der rechten Seite der Beifahrer-Sitzbank saß, versuchte zwar die Tür ebenfalls zu öffnen, aber sie war durch ein anderes Fahrzeug, dass sich daneben platziert hatte, blockiert.
„Scheiße!“, fluchte sie, während das Monster lediglich noch zwei weitere Vehikel von diesem entfernt sein sollte.
„Los! Nehmt die andere Tür! Kommt schon!“, rief Julian noch und beide Frauen reagierten darauf. Leider war es gar nicht so einfach sich zwischen Schalt- und Handbremshebel hindurch zu manövrieren um auf die Fahrerseite zu gelangen.
„Hilfe Julian!“, schrie Sandra noch und streckte ihren Arm aus. Julian versuchte ihre Hand noch zu greifen, als plötzlich einer der Sensenarme des Monsters von oben auf das Fahrzeug krachte und es vollständig zertrümmerte. Julian stürzte dabei vor Schreck nach hinten, wo er mit dem Rücken auf die Straße fallen sollte.

Die Schmerzen des Sturzes waren zwar nicht zu verachten, aber Julian hatte keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Das Monster stand direkt vor ihm, nachdem es den Transporter völlig zerstört hatte… mit Sandra und Kim darin. Das noch aus der Türöffnung in Massen laufende Blut verriet Julian, dass keine der beiden das überlebt hatte. Sie waren einfach von dem Monster überrannt worden und Julian hatte es nicht verhindern können. Plötzlich wandte sich das Wesen in seine Richtung. Schlimmer noch. Es schien explizit ihn von oben herunter anzusehen. Was wollte dieses Viech ausgerechnet von ihm? Sollte er nicht zu klein und zu unbedeutend sein um von einem solchen Koloss überhaupt wahrgenommen zu werden? Erstaunlich langsam bewegte das Monster seinen Kopf nach unten und begann an ihm zu riechen. Sein Atem stank dabei genauso grässlich wie sein Gesicht aussehen sollte und die Tatsache dass Blut unten aus seinem Maul tropfte deutete sehr stark darauf hin, dass die Bestie sich bereits mehrere Passanten einverleibt hatte. Nun wäre Julian offensichtlich der nächste. Er hatte also versagt. Schon wieder, nachdem er diesem Etwas dort schon einmal begegnet war, versagte er nun ein zweites Mal. In Panik begann Julian auf dem Rücken zurück zu krabbeln so lange bis er mit dem Kopf gegen eines der Autos um die beiden herum stieß. Das war es also. Das Ende. Er würde sterben. Plötzlich fegte jedoch eine Staffel Militär-Jets über den Straßenzug, welche auch die Aufmerksamkeit des Monsters auf sich ziehen sollten. Lautstark schreiend folgte es den Flugzeugen mit dem Kopf, die Julian auf Grund ihrer Form als Tornados wieder erkennen sollte. Plötzlich krachte etwas in den Rücken der Bestie und hinterließ dort eine nicht zu unterschätzende Explosion. Das Wesen schrie einmal kurz laut auf und drehte sich um, bevor sich zwei weitere Explosionen direkt am Bauch ereigneten. Anscheinend setzte das Militär gerade Panzer ein, welche es auch waren, die diese Explosionen verursachten. Weitere Projektile schienen in die Stadt zu krachen wo sie ebenfalls explodierten und Trümmerstücke von Gebäuden durch die gesamte Umgebung schleuderten. Während alle dem führten die Tornados ein Wendemanöver durch und nahmen das Monster mit ihren Bordkanonen unter Feuer. Julian konnte doch direkt sehen, dass diese Waffen trotz der lauten Schreie der Bestie, nicht den geringsten Schaden anrichten sollten. Plötzlich nutzte das Wesen seine gewaltigen Arme und schleuderte mit diesen gleich mehrere Autos auf einmal in die Richtung der Militärjets, welche zu schnell waren um von diesen noch getroffen zu werden. Weitere Einschläge von Panzer-Waffen sollten an dem Monster folgen, welches zwar erneut laut aufschrie aber keinen Schaden nehmen sollte. Nun wendeten sie Jets erneut und feuerten mit Raketen auf die Bestie, als sie über das Wesen hinweg fegten. Es sollten jedoch lediglich zwei davon ihr Ziel treffen. Der Rest krachte unkontrolliert in die Umgebung, wo die Explosionen der Militärwaffen weiteres Chaos in der Stadt verursachten. Gebäude wurden getroffen und Trümmerstücke wurden aus diesen heraus gerissen und in die nähere Umgebung geschleudert. Julian wurde von einem davon knapper verfehlt als es ihm lieb war. Wusste das Militär etwa nicht, dass er und andere Zivilisten noch hier waren? Oder war es ihnen schlicht und einfach egal? Was auch immer die Antwort auf die Frage sein sollte, Julians Ziel hatte sich nicht geändert. Er musste immer noch so schnell es ihm möglich war von hier verschwinden. Und so sollte er sich wieder aufrichten und so schnell er konnte in dieselbe Richtung weiter rennen in die er ursprünglich ohnehin unterwegs gewesen war. Weitere Explosionen von Waffeneinschlägen sollten sich dabei um ihn herum ereignen, während das Monster einmal laut aufschrie und dann mit den Sichelarmen scheinbar unkontrolliert um sich schlug, als die Jets es zu umkreisen begannen. Dabei sollte das Wesen tatsächlich eines der Flugzeuge treffen und mittig zerteilen. Eine weitere Explosion durchzog die Straße und zog sich wie ein Flammenmeer durch den Straßenzug in den die Flugzeugteile gekracht waren. Julian rannte weiter und versuchte dabei Blicke nach den Seiten zu vermeiden. Zu viele Tote, von denen er schon gar nicht mehr unterscheiden konnte ob das Monster oder das Militär sie verursacht hatten. Zu viel Blut, zu viele Stücke von menschlichen Körpern, die Julian nicht mehr richtig zuordnen konnte. Die gesamte Situation war zu viel für ihn. Selbst wenn er überleben würde, wie sollte er weiter leben nachdem er so etwas gesehen hatte? Mehr aus dem Augenwinkel bekam Julian noch mit wie Panzer dem Monster von hinten nun näher kommen sollten und dieses keine Sekunde zögerte die Militärvehikel direkt und alle fünf auf einmal mit einem gezielten Sichelschlag zu zerteilen, bevor es sich erneut eines der umkreisenden Flugzeuge packte und dieses gewaltsam in den Boden rammte, wo es eine weitere Explosion hinterließ. Plötzlich wandte es sich in Julians Richtung und sprang ab um dann schnell abzuspringen und einige Meter vor Julian wieder zu landen. Der Boden riss auf als der riesige Koloss aufkam und Fahrzeuge wurden in Julians Richtung geschleudert. Fast so als hätte die Landung des Monsters eine Schockwelle verursacht. Julian hatte lediglich Glück, dass ihn die Schockwelle ebenfalls ein Stück zurück geschleudert hatte, wo er sehr zwar unsanft mit dem Rücken auf den Boden fallen, aber auch von allen Fahrzeugen und Asphalttrümmern verfehlt werden sollte. Schnell hatte er sich wieder aufgerichtet und stürmte nun nach links, kurz bevor zunächst weitere Raketen von den Jets in das Monster krachten, dicht gefolgt von mehreren gewaltigen Einschlägen die direkt von oben kommen sollten. Scheinbar hatte ein schwerer Bomber seine gesamte Ladung auf das Monster und das nähere Gebiet um es herum fallen gelassen und damit ein gewaltiges Flächenbombardement durchgeführt. Julian selbst wurde von den Einschlägen unkontrolliert weggeschleudert und krachte mit dem Rücken gegen etwas extrem hartes, wahrscheinlich eine Mauer, aber das konnte er nicht mehr wahr nehmen, da ihm schwarz vor Augen wurde.

Das schlagartige Erwachen von Julian fühlte sich wie ein gewaltiger Schock an, bei dem er unweigerlich einen tieferen Atemzug nehmen sollte, als er es normalerweise getan hätte. Er fand sich auf dem Bauch liegend, mit dem Gesicht nach unten wieder. Sein gesamter Körper tat weh und das Atmen sollte ihm schwer fallen. Ein starker Husten folgte. Wahrscheinlich von der gewaltigen Staubbelastung in der Luft, von dem er gerade bei seinem Erwachen einen tiefen Zug genommen hatte. Aber das war nicht der einzige Grund weshalb das Atmen ihm schwer fallen sollte. Er befand sich mit dem gesamten Unterkörper und auch dem unteren Teil seines Oberkörpers unter einem gewaltigen, extrem schweren Stück Mauer. Seine Ohren piepsten außerdem sehr stark und seine Sicht begann sich nur sehr langsam zu stabilisieren. Ein Versuch sich zu bewegen sollte sich als völlig sinnlos heraus stellen und ihm starke Schmerzen verursachen. Wahrscheinlich waren die meisten Knochen in seinem Körper von dem Mauerstück völlig zertrümmert worden. Es war ein einziges Wunder, dass er überhaupt noch lebte. Verzweifelt versuchte Julian weiter sich zu befreien, aber es war einfach zwecklos. Und so entschied er sich den Kopf zu heben und nach vorne zu sehen. Was er dort jedoch vorfinden sollte erschreckte ihn so sehr, dass er lediglich aufschreien konnte. Nicht nur, dass alles was er von der Stadt noch erkennen konnte völlig in Trümmern lag, das Monster dem er versucht hatte zu entkommen, hatte den Angriff des Militärs vollständig überstanden und schlimmer noch, zwei weitere dieser riesigen Bestien, die sich jedoch von der ersten und voneinander unterschieden, waren in seinem Blickfeld erkennbar. Damit aber noch nicht genug. Durch den gesamten Straßenzug humpelten eine nicht mehr zählbare Anzahl jener humanoiden Monster mit Tentakeln auf dem Rücken, denen Julian als erstes in seinen Träumen begegnet war. Offensichtlich handelte es sich gar nicht um einen Traum, sondern um die Realität. Julian konnte sich einen weiteren Schrei nicht verkneifen als ihm diese Tatsache schlagartig bewusst wurde. Er musste dringend von hier weg, irgendwie, und so begann er verzweifelt mit seinen beiden Armen nach Halt am Boden zu suchen um sich vielleicht auf diese Weise fortbewegen zu können. Aber auch dieser Versuch war zwecklos.
„HILFE!!! HIIIIIILFEEEEEE!!!!!!!!“, begann er mehrmals zu schreien so laut es ihm möglich war, aber er bemerkte selbst, dass er nicht besonders laut war. Ferner war es absolut unwahrscheinlich dass auch nur noch ein einziger anderer Mensch in dieser Umgebung am Leben war und selbst wenn, würde ihm niemand zu Hilfe kommen. Nicht während diese Monster durch die Straßen humpelten. Plötzlich wandte sich eines davon ihm zu. Wahrscheinlich hatte es seine Schreie und seine verzweifelten Befreiungsversuche bemerkt. Dann ein weiteres. Dann immer mehr von ihnen.
„Nein… Bitte… Nein…“, kommentierte Julian noch leise bevor eine nicht mehr zählbare Masse aus diesen Monstern, mindestens jedoch zehn oder sogar zwanzig Stück, unerwartet schnell auf ihn zustürmen sollten.
„NEEEEEIIIIIIIIIIN!!!!!!!!!“, schrie Julian schmerzerfüllt auf als das erste seine Zähne in seinen rechten Arm rammte und ein Stück Fleisch aus seinem Oberarm riss und es unter genüsslichen, aber für Julian unerträglich wiederlichen Kau- und Schmatzgeräuschen verspeiste. Es folgte ein zweiter Biss eines anderen Monsters direkt in seine Brust und ein dritter in seinen linken Oberarm.
„NEEEEIIIIIN! BITTE NICHT!!!! BITTEEEEEEEEE!!!!!!!!“, schrie Julian weiter unter den schrecklichsten Schmerzen die er sich vorstellen konnte, während immer mehr Monster damit begannen Stücke aus ihm heraus zu reißen und sie aufzufressen. Erst als eines davon in seinen Kopf biss und diesen entfernte sollten seine Höllenqualen endlich ein Ende finden und Julian seinen Tod.

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Ja, irgendwie ein Kapitel dass wieder recht typisch für mich ist, würde ich sagen. Ich kann halt doch nicht ganz aus meiner Haut raus. :lol: Ich hoffe aber dass die Art der Materialschlacht sich zumindest ausreichend von dem unterscheidet, was man in Crimson Space oder Inferno zu lesen bekommen hat, dass es als was eigenständiges durch geht. :D
Aber ich denke/hoffe es funktioniert trotzdem und ich kann versprechen, dass es das letzte sein wird bei dem sich das Geschehen am Anfang auf diese Weise wiederholt. Ließ sich leider bei dem Thema der Geschichte nicht ganz vermeiden. Wie gesagt, jetzt wo der Protagonist selbst kapiert hat, was da im wesentlichen vor sich geht wird es ab den nächsten Kapiteln auch ganz anders ablaufen. Mehr wie das versprechen kann ich an der Stelle eben leider nicht. ^^"
Ich hoffe es hat trotzdem gefallen und hält euch dabei. Ich habe auf jeden Fall durchaus Spaß dabei dieses Ding hier zusammen zu tippen, weshalb es auch noch eine Weile gehen dürfte. ;)
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