[FB21 AVL/Slash] Rise of the Blue Moon

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Tom
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[FB21 AVL/Slash] Rise of the Blue Moon

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Exposé hat geschrieben:Titel: Rise of the Blue Moon


In einer Welt, in der Wissenschaft und Fantasy auf groteske Weise verschmelzen, verbirgt sich hinter den bekannten Legenden eine außerirdische Bedrohung der besonderen Art. Vergesst Elfen, Zwerge und Vampire als Fantasywesen, denn sie sind in Wahrheit außerirdische Freaks. Sie haben heimlich das Wasser der Erde mit einem parasitären Organismus verseucht, der Menschen zu willenlosen Sex-Zombies macht.

Unsere Geschichte dreht sich um Martin, einen ungewöhnlichen jungen Mann, der immun gegen den absurden Parasiten ist. Als die Zombie-Orgie ausbricht und die Welt in einen Cocktail aus Chaos und Verlangen stürzt, wird Martin unfreiwillig zum Meister der lustigen Verführungskünste. Seine Aufgabe? Die Menschheit vor einer verrückten Sex-Apokalypse retten.

Während Martin sich durch die wirbelnden Massen sexuell ausgehungerter Infizierter kämpft, stößt er auf eine abstruse Wahrheit. Die Nachkommen der Sex-Zombies tragen die parasitäre DNA in sich und sind den außerirdischen Invasoren absolut hörig. Die Welt wird zu einer karnevalesken Orgie, in der jeder seinem Instinkt folgt und alles und jeden begatten will.

Die einzige Möglichkeit, die Parasiten loszuwerden, besteht darin, sie mit Elektrizität zu schocken. Doch das führt meistens auch zum Tod des Wirts und somit zum endgültigen Coitus Exitus. Martin steht vor der Herausforderung, die Parasiten zu bekämpfen, ohne dabei die absurden sexuellen Eskapaden der infizierten Menschen zu gefährden. Eine verrückte Reise durch eine Welt voller obskurer Verlangen und skurriler Begegnungen beginnt.

"Rise of the Blue Moon" ist eine gruselig-komische Horror- und Sex-Satire, die die Grenzen des Absurden auslotet. Die Leserinnen und Leser werden in eine Welt voller grotesker Sinnlichkeit und absurder Lüste entführt. Die Geschichte erkundet die Absurdität der menschlichen Sexualität und die Irrationalität von Verlangen inmitten einer surrealen Invasion.

Mit einer verrückten Handlung, skurrilen Charakteren und einer unverschämten satirischen Atmosphäre lädt "Rise of the Blue Moon" die Leserinnen und Leser zu einer höllisch komischen Reise ein, in der ein einzelner Mann versucht, die Welt vor einer Orgie der außerirdischen Begierden zu retten.

Rise of the blue Moon

Prolog: Blue Orbit falling

Quälend langsam drang er in sie ein. Sein steifer Schwanz pulsierte in ihr, brachte sie fast um den Verstand. Frustriert grub sie ihm ihre Fingernägel in den Rücken. Wenn er sie doch nur nicht so foltern würde!
Er grinste. "Nicht so ungeduldig, Darling." Er hauchte ihr die Worte zärtlich ins Ohr. Woraufhin ihr ein Schaudern, angefangen von den Haarspitzen hinab in die Zehen fuhr.
Plötzlich, ohne Vorwarnung, stieß er in sie hinein, immer und immer wieder. Gott, ja! Sie wollte mehr davon! Viel mehr!
Ihre Hüften bäumten sich wie von selbst auf und sie konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken. Hitze verschlang sie, als sie sein bestes Stück so genau spüren konnte. Die Wärme, die weiche vor und zurück gehende Vorhaut ...
Sein sexy Stöhnen vermischte sich mit ihrem, stachelte ihre Lust nur noch mehr an. Dann explodierte es. Eine Welle der Extase riss sie mit sich, überrollte sie. Ihre Muskeln zogen sich unkontrolliert um seinen Schwanz zusammen und sie schrie laut auf. Gleich darauf stieß er ein letztes Mal in sie hinein, bevor sich sein heißes Sperma in sie ergoss. Sein Erlösungsschrei hallte angenehm in ihren Ohren wieder.
Erschöpft ließ er sich auf sie nieder sinken.
"Ich liebe dich." Sie war heiser, also flüsterte sie.
"Ich dich auch."

Eng aneinander kuschelnd und verschwitzt, hörten sie den schweren Atem des jeweils anderen. Sie fanden es schade, dass sie nicht noch enger zusammen rücken konnten, als diese Verschlungenheit, die sie jetzt hatten.
Ihre Lippen berührten sich und ihre Zungen vollführten einen wilden Reigen. Feucht und unnachgiebig sogen sie dem jeweils anderen seinen Speichel auf. Während sie seinen klebrig-feuchten Schwanz an ihrem Unterleib spürte, drückten ihre Brüste fest gegen seinen Oberkörper.
Doch der Moment währte nicht lange und wurde durch das Geschrei eines Babys zerstört. Langsam und unwillig lösten sie sich voneinander und sahen den jeweils anderen enttäuscht an.
„Schade.“ Seine Stimme war hypnotisierend.
Doch sie konnte sie nicht davon abhalten ihre Pflicht zu tun. „Ich schau nach dem Kleinen.“
„Tu das.“
Er sah ihr nach, als sie nackt aus dem Bett stieg und in das angrenzende Kinderzimmer ging. Kurz wälzte er sich noch herum, vergrub schnell seinen Kopf vor Enttäuschung im Kopfkissen und folgte dann seiner Frau.

„Was hat denn der kleine Scheißer?“
Martin stand im Türrahmen des Kinderzimmers und beobachtete seine Frau dabei, wie diese nach ihren gemeinsamen Sohn sah.
„Genau das.“ Dabei hielt Diana ihrem Mann die volle Windel vors Gesicht.
„Uah!“ Martin röchelte und ging mehrere Schritte rückwärts, bis er an die Tür der Speisekammer stieß. „Hau bloß mit dem biologischen Kampfstoff ab!“
Diana schüttelte den Kopf und warf die Windel in einen extra dafür bereit gestellten Mülleimer. Dann wusch sie ihren Sohn und wickelte ihn neu. Dass alle drei nackt waren, störte niemanden. Sie waren nicht prüde und wollten ihrem Sohn auch nicht großartig die Scham anerziehen.
„Bei dir läuft was.“
Martin deutete zwischen die Beine von Diana, wo sein Sperma aus ihrer Vagina lief.
„Du hast mich ganz schön abgefüllt.“ Sie zwinkerte ihm verschmitzt zu.
Während Diana auf die Toilette ging -vorher aber ihren Sohn wieder in den Kinderwagen legte-, um sich dem überflüssigen Sperma zu entledigen und anschließend im Badezimmer zu waschen, tat Martin das in umgekehrter Reihenfolge.
„Wie sieht‘s aus?“ Seine Frage hallte durch den Flur wider.
„Mit was?“
„Essen.“
„Wie spät ist es?“
„Gleich siebzehn Uhr.“
„Willst du Frühstück oder Abendessen?“
Für jeden anderen wäre diese Fragestellung wohl idiotisch gewesen, doch wenn man bedachte, dass Martin Nachtschicht hatte und deswegen erst gegen fünfzehn Uhr aufstand, ergab sie einen etwas verschobenen Sinn.
„Mittag!“
Diana schüttelte den Kopf. „Was willst du?“
„Was hast du?“
Mit einem tiefen Atemzug brachte sich Diana dazu wieder einen klaren Kopf zu fassen. Dieses verbale Ping-Pong war zwar sehr belustigend, aber wenn sie sich nicht zusammenriss, dann würde ihr Mann zu spät in die Arbeit kommen. Er war nun mal ein Trödler und nahm die Dinge nicht so genau. Aber das war eine Art, die Diana an ihm mochte. Deswegen machte sie ihm nun das Essen für die Arbeit: Einen Wurstsalat mit einer extra Portion Radieschen.
„Wie wär‘s mit Chiwapchichi?“
„Lecker!“
„Wie viele?“
„Zehn Stück!“
„Verfressener Sack.“
„Hey, ich hab mich heut schon körperlich anstrengen müssen.“
„Ach, so nennt man das neuerdings?“ Diana kicherte. „Also ich würd dazu sagen, dass du mir fast das Hirn rausgefickt hast.“ Während sie ihm sein Essen zubereitete, tigerte Diana zwischen der Küche und der Speisekammer hin und her.
„Ich bin immer noch ganz wacklig auf den Beinen.“
„Soll ich dich massieren?“
„Wolltest du nicht noch einkaufen fahren? Beeil dich gefälligst!“
Ihn so nackt vor sich zu sehen, war schon eine große Versuchung. Und Diana wusste, dass es ihm genauso erging. Doch leider hatten sie nicht die Zeit dafür sich nochmals gegenseitig zu reiten, liebkosen und ineinander zu versinken.
Martin zog sich seine braune Arbeitshose an, sowie ein braunes Shirt. Darunter hatte Diana gesehen, dass er sich für schwarze Shorts entschieden hatte. Eines musste sie sich aber eingestehen: Mit seinem gebräunten Teint und den dunkelbraunen Haaren, die dadurch seine seegrünen Augen nur noch mehr betonen und diese für Diana wie magische Edelsteine leuchteten, sah er aus wie ein Nazi.
Als ob er ihre Gedanken gelesen hätte, hob er seinen rechten Arm zum Gruß. „Sieg Heil!“
„Lass das ja bloß niemand falschen hören, sonst denken die tatsächlich noch, du gehörst zu diesem braunen Gesocks.“
Diana war leise und vorsichtig mit dem, was sie sagte. Denn sie wollte Martin nicht vorschreiben, was er sagen sollte und was nicht.
„Welche Firma hat schon eine braune Arbeitskleidung?“
Martin lachte. „Die Firma mit dem großen K!“ Dabei deutete er auf ein oranges Pferd, des auf seiner linken Brust prangte und in dessen Körper sich der schwarze Buchstabe befand.
„Du siehst scheiße aus. Und das mein ich wirklich so. Die Farbgebung sieht wirklich wie das aus, was aus dem Arsch kommt. Und das Logo sieht aus wie gekotzt.“
Martin musste herzlich lachen und stimmte Diana zu.
„Du hast recht, aber dafür zahlen sie recht gut.“
„Willst du nicht lieber eine kurze Hose anziehen?“
„Unter Tags schon, aber nicht, wenn ich Nachtschicht hab. Da wird es doch zu frisch.“ Martin biss herzhaft in seine Chiwapchichi hinein und schlürfte genüsslich die Soße dazu, als er sich an den Tisch gesessen hatte. „Zudem möchte ich mir meine Beine nicht verletzen, wenn ich rumwerkle.“
Diana musste grinsen. „Ich kann‘s immer noch nicht glauben, dass du deine Arbeit als Forscher an den Nagel gehängt und einen Job in der freien Wirtschaft angenommen hast.“
Martin zuckte mit den Schultern. „Ich hab mich zwar immer für die Wissenschaft interessiert, aber als ich dann an meinem Ziel angekommen war, hab ich gemerkt, wie langweilig es ist. Also musste eine Veränderung her.“
Diana brachte ihrem Mann ein alkoholfreies Radler und sah ihm dabei zu, wie er die Halbe in einem Zug leerte. Ein inniger Rülpser später nahm er seine Autoschlüssel, die liebevoll gemachte Brotzeit und verabschiedete sich von seiner Frau.
Kaum als er aus der Haustür draußen war, überraschte ihn der Himmel mit einem kräftigen blauen Leuchten, das hinter den vorbeiziehenden Wolken hervorlugte. Auch Diana kam aus dem Haus und wollte schon fragen, ob es ein Problem mit dem Auto gab, doch auch sie bemerkte den seltsamen Himmel und sah zu ihm hoch. Genau in diesem Moment lichteten sich die Wolken und man sah einen riesigen blauen Mond, der zum Greifen nah wirkte.
„Wieso ist der Mond so groß? Und warum blau?“
Martin dachte kurz nach, aber ihm fiel nicht viel ein. „Vielleicht eine Spiegelung vom Meer, das die Sonnenstrahlen reflektiert. So was wie der rote Mond, der durch Wüstensand entsteht.“
Martin wusste natürlich, dass seine Erklärung vollkommener Blödsinn war. Ein roter Mond war dann zu sehen, wenn es eine totale Mondfinsternis gab und nur langwelliges rotes Licht auf den Mond fiel. Aber er konnte sich nicht erklären, wieso der Mond nun so groß war und kurzwelliges blaues Licht reflektierte. Deswegen beließ er es bei seiner Erklärung, so dass seine Frau beruhigt war und keine Angst bekam. Martin war dafür umso mehr beunruhigter.

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Beitrag von Tom »

Nullnummer: Lost Night

Martin kam aus dem Discounter und ging zu seinem Auto. Als er die Snacks für die Nachschicht verstaut hatte -Chips, Cola, Red Bull und diverse andere ungesunde Kleinigkeiten-, klopfte ihm jemand auf die Schultern.
„Martin, altes Haus, dass man dich hier trifft. So ein Zufall.“
Natürlich war es kein Zufall. Martin hatte das Treffen ausgemacht und Andreas hatte vorgeschlagen es hier ganz öffentlich als Zufall passieren zu lassen.
„Wie geht‘s?“
„Gut. Hast du‘s dabei?“
„Ja.“
Andreas und Martin befanden sich zwischen zwei Autos, so dass niemand sehen konnte, wie Andreas etwas in Martins Auto gleiten ließ.
Der junge Mann mit den rotblonden Haaren und braunen Augen wirkte leicht nervös und das brachte er auch mit seiner Körperhaltung zum Ausdruck.
„Hör mal, wenn die mich dabei erwischen, dass ich dir diesen Prototypen zugeschustert hab, dann werd ich nicht nur gefeuert, sondern bin auch noch wegen Weitergabe von Firmengeheimnissen dran.“
Martin winkte ab. „Das Teil wurde doch sowieso ausgesondert, als das Projekt fallen gelassen wurde, oder?“
„Schon, aber …“ Andreas konnte erst gar nicht ausreden.
„Also wurde es eingemottet. Und da du ja einen Antrag auf Wiederverwertung gestellt hast, der auch genehmigt wurde, denken alle, dass der Prototyp zerlegt und seine Einzelteile in einem anderen -deinem- Projekt wiederverwendet wurden.“
„Ja, doch. Aber ich weiß nicht …“
Martin schnitt Andreas das Wort ab. „Jetzt ist es zu spät für Gewissensbisse. Und zudem kann dir niemand was nachweisen.“
Bevor Andreas noch etwas sagen konnte, verabschiedete sich Martin, stieg in seinen Wagen ein und fuhr los.

Während der Fahrt nahm Martin nur wenige Male den Blick von der Straße. Zudem hantierte er mit seiner Rechten an dem Päckchen herum, das ihm Andreas gebracht hatte. Bis er es offen hatte, vergingen mehrere Minuten, in denen Martin ein paar Mal Gegenlenken musste, weil er entweder von der Fahrbahn abgekommen oder in den Gegenverkehr gefahren wäre.
Das Objekt sah aus wie eine Plastikpistole in den Farben weiß, blau und gelb. Doch es war ein Taser, ein Elektroschockgerät. Drückte man den Abzug, wurde ein kleines Projektil abgefeuert, das einen kleinen Widerhaken an der Spitze hatte und sich so unangenehm entfernen ließ. Dieses Projektil war mit elektrischer Energie geladen, dass es beim Aufprall entlud.
An sich eine feine Sache und Martin hatte die Elektropistole von Andreas angefordert, weil er sie Diana schenken wollte. In letzter Zeit hatte es viele Einbrüche und Gewalttaten in der Nachbarschaft gegeben, weswegen Martins Frau immer mehr Angst bekam, wenn sie alleine nach draußen gehen musste. Eigentlich wollten sie sich einen Hund kaufen, doch bis jetzt hatten sie noch kein passendes Tier entdeckt, dass ihren Ansprüchen genügte.
Die Sache an der Einmottung war, dass es das Gerät nicht durch die Ethikkommission geschafft hatte. Denn ein normaler Taser musste mit einer Batterie versehen werden, die nach zwei- oder dreimaligen Gebrauch entladen war. Dieser Prototyp hingegen wandelte die bioelektrische Energie, die ein Mensch produzierte, in Schockenergie um, die er in das Projektil einschloss. Dieses wiederum wurde durch absterbende Hautzellen hergestellt. An sich eine optimale Waffe, die immer wieder verwendet werden kann und nicht mehr aufgeladen werden muss. Auch das Nachkaufen von Munition würde entfallen.
Scharfe Stimmen hatten gemeint, dass man die Waffe als Parasit ansehen konnte, da sie dem Körper Energie und Materie entzog. Was natürlich in der Hinsicht Unfug war, weil die Pistole kein Lebewesen war.
Der Hauptgrund aber war, was aber nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde, dass ein solches Produkt nur einmaligen Gewinn brachte und keinen Folgegewinn abwarf - wie etwa mit dem Nachkauf von Munition oder speziellen Akkus, mit ihren Ladegeräten.

Als Martin aus dem Auto ausstieg und tief durchatmete, überraschte ihn die klare, frische Luft. Er sah zum immer düsterer werdenden Himmel hoch, der -entgegen des natürlichen Verlaufs- vom blauen Mond erhellt wurde. Martin empfand das als äußerst schräg und gegensätzlich. Nichts desto trotz nahm er seine Tasche, sperrte das Auto zu und ging auf den Eingang zur Firma zu.
Niemand war auf dem Parkplatz zu sehen. Doch als Martin an einem alten roten Fiat vorbeikam, legten sich von hinten Hände um seine Brust. Sein Puls schoss in die Höhe und sein Herz begann wie wild zu schlagen. Innerhalb nur eines Augenblicks war sein Adrenalinspiegel enorm gestiegen. Als er sich umdrehte, sah er eine Frau mit langer roter Mähne vor sich stehen. Sie war um einen ganzen Kopf kleiner als er, doch das brach ihrem Körperbau nichts ab. Im Gegenteil. Ihre Zierlichkeit und der durchtrainierte Körper harmonierten gut miteinander.
Noch bevor Martin etwas sagen konnte, spürte er schon Melanies Zunge in seinem Mund. Er erwiderte den Kuss leidenschaftlich und fasste mit beiden Händen fest an ihren Hintern. Sie quiekte kurz auf, wehrte sich aber nicht. Genauso, wie sie sich auf die Motorhaube heben ließ.
Melanie wehrte sich nicht, als Martin ihr ihre Hotpants öffnete und zwischen ihre Schenkel faste. Sie war feucht, wie immer. Da spürte er, wie auch sie sich an seiner Hose zu fassen machte und seinen Schwanz fest mit ihrer Hand umklammerte. Auch er begann schon klebrig zu werden.
Es war nicht so, dass Martin untreu war. Er empfand einfach nur nichts für seine Frau. Das hatte er nie. Sie war einfach leicht zu manipulieren gewesen und hatte genau das getan, was Martin wollte. Aus seinem Blickwinkel konnte man nichts betrügen, was man nicht liebte. Martin wusste, dass es Diana gegenüber nicht fair war, aber er hatte das Gefühl, dass ihm die Zeit davon rannte. Er hatte vor einem Jahr seinen 30. Geburtstag gefeiert und noch nichts in Aussicht, was nach Frau und Kind aussah. Dann trat Diana in sein Leben - durch puren Zufall. Sie waren beim Einkaufen übereinander gestolpert und als Entschuldigung hatten sie in der gegenüberliegenden Stube miteinander gegessen. Und aus dem Essen war nach und nach mehr geworden, bis schließlich ein kleiner Junge namens Stefan auf die Welt kam.
Melanie war gierig. Sie nahm Martins Schwanz in ihre Hände und lenkte ihn zu ihrer Vagina. Doch er widerstand und ärgerte damit Melanie.
„Bitte!“ Ihr Flehen brachte Martin zum Grinsen. „Gib mir deinen Schwanz!“
Martin kannte Melanie erst seit drei Wochen, aber sie hatte ihm bereits nach einer Woche ihre Liebe gestanden und wollte zudem ein Kind von ihm. Bei jedem vernünftige Menschen wären da sofort die Alarmglocken angesprungen, die ein jeder Instinkt aufgefahren hätte. Doch Martin sah dies als Gelegenheit seine Gene einmal mehr weiterzugeben.
Sein Schwanz drang langsam in sie ein und ihr Stöhnen wäre über den ganzen Parkplatz zu hören gewesen, wenn er nicht ihr den Mund zugehalten hätte. Jetzt lutschte Melanie an seinem Zeigefinger, während Martin immer tiefer in sie eindrang. In ihr war es warm und feucht. So dauerte es nicht lange, bis er in ihr kam. Als sich ihre Blicke trafen, konnte Martin in Melanies grünen Augen die Gier nach mehr erkennen. Doch, wenn er noch lange hier heraußen rummachte, dann würde er zu spät zu seiner Schicht kommen. Also zog er sich an und vertröstete seine Gespielin auf den kommen Morgen.
Martin wusste, wo Melanie wohnte. Es war nicht weit weg von der Firma und er war auch schon öfters dort gewesen. Diana hatte er nur gesagt, dass er entweder länger auswärts arbeiten musste -die Firma konnte er nicht als Ausrede benutzen, da dort alle Ein- und Ausgänge elektronisch erfasst wurden- oder etwas zu erledigen hatte.
Am Eingang angekommen, ließ er seine Firmenkarte über einen Sensor gleiten und das Eingangsrondell entriegelte sich. Als Martin den freien Platz überquerte, waren kaum Personen zu sehen. Das war nicht ungewöhnlich, da der Schichtwechsel noch nicht stattgefunden hatte. Was aber seltsam war, waren diejenigen, die nach oben sahen und dabei wirkten, als würden sie unter Hypnose stehen. Doch als sie Martin bemerkten, grüßten sie ihn und gingen wieder in das Gebäude. Es war ihnen nicht zu verdenken. Auch Martin hätte den Mond die ganze Zeit anstarren können und darüber nachdenken, was da wohl los sei.

„Schräges Wetter, was?“
Michael war dick und seine Stimme wurde vom Krapfen verzerrt, den er sich gerade in seinen Mund gestopft hatte. Seine blauen Augen waren blutunterlaufen und die Tränensäcke angeschwollen. Seine langen braunen Haare hingegen waren gut gestylt. Martin fragte sich, wo die Prioritäten dieses Mannes lagen. Und, wie er mit seiner Masse auch nur fünf Schritte gehen konnte, ohne einen Astma-Anfall zu bekommen. Doch der Schein trog oft.
„Ja.“ Martin zuckte mit den Schultern.
„Was meinst du dazu, oh großer Wissenschaftsbubi.“
Die Häme kam von Markus einem glatzköpfigen Mann in den Vierzigern, der gern jeden und alles beleidigte. Vor allem liebend gern mit rassistischen Parolen. Aber soweit Martin wusste, hatte Markus eine afrikanische Frau und eine asiatische Adoptivtochter. Entsprechend mutmaßte er, dass Markus entweder mit seiner Art etwas überspielte oder auslebte.
„Keine Ahnung. Vielleicht ein vorbeiziehender Asteroid, dessen Schwerkraft die Atmosphäre linsenartig beeinflusst. Während sein eisiger Schweif sich auflöst und die Eiskristalle den Mond blau erscheinen lassen.“
Vollkommener Blödsinn, dachte sich Martin. Er wollte den hier arbeitenden Leuten nicht unterstellen, dass sie dumm waren. Denn das waren sie nicht. Sie beherrschten ihre Arbeit gut und manche von ihnen konnten sogar hier und da den Prozess optimieren. Aber was wissenschaftliche Dinge anging … Sie sind Idioten.
Damit ließ er die Leute stehen, ging auf seinen Arbeitsplatz zu und setzte sich. Er verstaute seine Tasche, während der Computer hochfuhr und sah im Schichtbuch nach, was alles erledigt wurde und was noch offen war.
Kaum, dass er damit fertig war, trat der Schichtleiter auf Martin zu. Er deutete auf ein junges Mädchen neben ihm.
„Das ist Stephanie.“ Das Mädchen nickte kurz und lächelte fröhlich. „Sie ist Studentin und wird die ganze Nachtschicht über in deiner Abteilung bleiben.“
Martin begrüßte sie und reichte ihr die Hand.
Was für eine zarte und warme Haut.
„Darf ich Du sagen?“
„Natürlich.“
Ihr Lächeln war ansteckend, so dass auch Martin immer ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert wurde. Wenngleich es auch einen etwas perversen Unterton hatte. Während sich Martin und Stephanie unterhielten, verschwand der Vorarbeiter wieder.
Die junge Frau mit den rabenschwarzen Haaren und den kontrastierenden hellblauen Augen erregte sofort jedermanns Aufmerksamkeit. So musste Martin alle dazu bringen weiterzuarbeiten.
„Darfst mich Steffi nennen.“
Mit einer eleganten Handbewegung strich sie sich eine Strähne aus dem Gesicht. Martin bewunderte ihre Haare. Nicht nur, weil sie so schwarz waren und glänzten, sondern weil sie auch als Pferdeschwanz bis zu ihrem Hintern reichten. Den er als sehr knackig empfand.
Jung und knackig!
„Stephanie gefällt mir überhaupt nicht.“
„Also dann Steffi, was machst du hier?“
Doch bevor sie antworten konnte, blitze es blau auf und sie verloren das Bewusstsein.

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Kapitel 1: AtmosFear

Langsam kam Martin wieder zu sich. Es war kein langsames Aufwachen, wie nach einem erholsamen Schlaf, sondern mit einem Mal war er wieder voll da. Martin versuchte aufzustehen, doch seine Beine gehorchten nicht. Auch das Bewegen des Kopfes brachte nicht viel, außer, dass seine Muskeln wie Feuer brannten.
Minutenlang blieb er reglos in seiner Position. Auf dem Stuhl sitzend und mit dem Kopf und Oberkörper auf dem Schreibtisch liegend. Was war passiert? Martin erinnerte sich nur an einen blauen Blitz oder was auch immer das gewesen war. Sein Blick war starr an die weiße Wand gerichtet, doch er konnte das Atmen von anderen Personen wahrnehmen. Und noch etwas anderes. Es war ein seltsames Geräusch. Nein, mehrere Geräusche. Ein Kratzen, Schlurfen, Knurren, Hecheln. War da auch nicht ein Stöhnen weiter weg? Martin glaubte sogar Schreie zu hören, gedämpft durch Wände und Türen. Er kniff seine Augen fest zusammen und hörte erneut hin. Stille.
Langsam gehorchte ihm sein Körper wieder und Martin konnte sich aufrichten. Er betastete seinen schmerzenden Körper. Berührte jeden einzelnen Muskel und massierte ihn. Dann sah er sich um. Auf dem Boden lag Steffi, ihre Augen waren geschlossen, doch sie atmete ruhig und gleichmäßig. Das konnte Martin von Michael nicht behaupten. Er lag regungslos auf dem Boden und war blass im Gesicht. Als Martin seinen Puls fühlte, konnte er ihn nicht finden. Auch andere ersichtliche Vitalfunktionen, wie etwa die Atmung, waren nicht vorhanden. Als Martin mit der Wiederbelebung anfangen wollte, bemerkte er, dass Michael bereits eiskalt war und langsam die Totenstarre eintrat. Er schloss dem Toten die Augen und sah sich weiter um. Niemand sonst war im Raum.
Martin kniete sich neben Steffi und versuchte sie mit Worten und leichtem Tätscheln ihrer Wangen wieder zu Bewusstsein zu bringen. Mit Erfolg. Langsam öffnete sie ihre Augen, drehte sich auf die Seite und übergab sich. Was auch immer geschehen war, Steffi schien es nicht sehr gut zu verkraften.
„Was ist passiert.“ Ihre Stimme war schwach.
Martin zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.“
Als sie Michael sah, weiteten sich ihre Pupillen vor entsetzen und sie begann zu schreien. Martin konnte das nicht ertragen und schlug Steffi mit dem Handrücken ins Gesicht. Sie verlor auf der Stelle das Bewusstsein.
Ich muss mir was überlegen, bis sie wieder aufwacht.
Martin sah sich im Raum um und fand auf einem der Schränke ein paar zusammengefaltete Müllsäcke. Einen von ihnen nahm er und schnitt ihn mit einem Teppichmesser auseinander, das er Michael abgenommen hatte. Dann breitete er den blauen Plastiksack über Michael aus, rollte ihn darin ein und hievte ihn unter einen Tisch.
Danach widmete er sich wieder der ohnmächtigen Studentin. Zwei der vier Schreibtische räumte er leer und schob sie aneinander. Danach nahm er das Erste Hilfe Kästchen von der Wand und behandelte ihre aufgesprungene Lippen und die angeschwollene rechte Wange.
Und mir tut‘s nicht mal leid sie geschlagen zu haben.
Martin lächelte bei dem Gedanken, fragte sich aber auch, was in seinem Leben wohl passiert war, dass er so geworden ist.
Doch er kam nicht dazu seine Gedanken auf diese Reise zu schicken. Ungewöhnliche Geräusche kamen von außerhalb des Büros. Sie waren kratzend, schlurfend und immer wieder glaubte er ein Knurren und Stöhnen zu hören.
Fickt hier jemand, während alle weggetreten sind?
Martin ging auf die Tür zu und wollte sie öffnen, doch sie war verschlossen. Der Schlüssel steckte nicht, was er normalerweise tat. Als Martin durch das kleine Fenster blickte, sah er nichts. Das Lager lag in Dunkelheit. Plötzlich sprangen die Lampen an, nur um gleich wieder zu verlöschen. Immer und immer wieder. Doch was Martin in jenen wenigen Sekunden zu sehen bekommen hatte, beschleunigte seinen Puls. Er trat zurück, setzte sich auf eine Tischkante und sein Magen wurde flau.
„Was ist? Du bist so blass.“
Vor schreckt sprang Martin auf und wäre am liebsten sprichwörtlich durch die Decke gegangen. Steffi war aufgewacht und rieb sich ihre Wange. Sie verzog schmerzerfüllt ihr Gesicht.
Dann sah sie sich um und fragte erneut: „Was ist passiert?“
Anscheinend konnte sie sich nicht erinnern, dass Martin sie geschlagen hatte. Ihm war es nur recht.
„Ich weiß es nicht.“
Martin fragte sich, ob nun ein Déjà-Vu folgen würde. Aber dem war nicht so. Steffi sah weder Michael, noch fing sie an zu schreien. Also ging er zu ihr, legte ihr seine Hand auf die Schulter und drückte sie sanft in einen der Stühle.
„Als du ohnmächtig geworden bist, musst du wohl auf die Tischkante geknallt sein.“ Martin winkte ab, als Steffi etwas sagen wollte. „Nein, ich weiß nicht was passiert ist. Vielleicht ist ein Blitz eingeschlagen oder irgendetwas hat die Stromleitungen überlastet. Was weiß ich.“
Steffi stand auf und ging zur Türe.
„Wo willst du hin?“
Das was da draußen war, durfte er sie nicht sehen lassen.
„Nach den anderen sehen? Oder zu einem Treffpunkt gehen, wie es die Firmenverordnung vorschreibt.“
Martin musste sich schnell etwas einfallen lassen.
„Im Dunkeln? Ohne Taschenlampe? Willst du in die Gabel eines Staplers laufen oder was?“
Steffi zuckte unter der Schärfe von Martins Worten zusammen und setzte sich. Dabei stieß sie an etwas und sah nach unten. Da lag etwas blaues. Martin konnte nicht mehr verhindern, dass sie das Plastik wegzog und Michaels Leiche sah - wieder. Doch diesmal begann sie zu weinen und nicht zu schreien. Das war etwas erträglicher.
Jenseits der Türe wurden die Geräusche lauter und Martins Herz begann wie wild zu schlagen. Seine Atmung wurde flacher und kürzer. Wild sah er sich im Büro um und fand eine Brechstange in einer Ecke.
Vorsichtig lugte er aus dem Türfenster und musste mit Schrecken mit ansehen, wie im flimmernden Licht blutverströmte Leichen im Lager lagen. Er war sich sicher, dass das kein Blitzeinschlag oder etwas ähnliches verursacht haben konnte. Dies sah eher nach einem Anschlag aus. Hatte jemand die Firma überfallen? Waren sie einer Schockgranate zum Opfer gefallen? So unglaublich diese Gedanken waren, so schienen sie auch der Wahrheit zu entsprechen.
Die seltsamen Geräusche wurden immer lauter und so schaltete Martin das Licht im Büro ab. Mit der plötzlichen Dunkelheit hörte auch Steffi auf zu weinen. Schluchzend versuchte sie einen Satz zu bilden, doch Martin verbot ihr etwas zu sagen. In ihrem Zustand, geschockt vom Anblick einer Leiche, tat sie wie ihr geheißen.
Draußen im Lager flackerte noch immer das Licht und warf gruselige Schatten. Hinter Paletten vermutete man Personen, Stapler wurden zu stillen Monstern und Hubwägen machten den Eindruck von verkrüppelten Leichen.
Plötzlich sah Martin jemanden am anderen Ende des Lagers. Ein Mann, der aus dem Bürotrakt kam. Sein Anzug war blutverschmiert und er hielt eine Axt in der Hand. Hatte er sich den Einbrechern entgegengestellt und gewonnen? Aber danach zu urteilen wie vorsichtig er ging, erwartete er hinter jeder Ecke gleich einen Angriff. Der Krawattenträger machte jede Bewegung überlegt und arbeitete sich konstant aber bedächtig vor.
Martin wollte schon das Licht wieder an machen und gegen die Türe schlagen, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch im letzten Moment überlegte er es sich anders. Wenn da draußen wirklich gewaltbereite Einbrecher waren, dann mochte sie vielleicht in der Nähe sein und ihn gefangen nehmen oder sogar umbringen, wenn sie ihn fanden. Die Vorsicht des Büroangestellten ließ Martin so etwas befürchten. Also drehte er sich um und versuchte den Schlüssel zur Tür zu finden. Vielleicht konnte er den Mann auf sich aufmerksam machen, ohne dass jemand anderes ihn bemerkte.
Doch weder auf dem Türrahmen, noch im Schlüsselkästchen befand sich der Bund. Widerwillig begann er Michael zu durchsuchen, nachdem auch das Durchklauben der Büroutensilien nichts zu Tage gebracht hatten. Und tatsächlich, in Michaels hinterer Hosentasche befand sich der Schlüssel zur verschlossenen Lagertüre. Als Martin die Leiche wieder zudeckte fragte er sich, ob sein Kollege schon eher wieder zu sich gekommen war und gemerkt hatte, was vor sich ging oder ob er erst später ohnmächtig geworden war. Vielleicht hatte der blaue Blitz auch gar keinen Effekt auf ihn. Doch, so stellte sich Martin die Frage, wie und warum war Michael tot? Herzinfarkt vor lauter Aufregung und Schreck? Martin hatte keine Ahnung und er war auch kein Arzt, um eine Diagnose zu stellen. Eigentlich war es ihm sogar egal. Hauptsache ihn hatte es nicht erwischt.
Behutsam schloss Martin die Tür auf und trat aus dem Büro ins Lager. Steffi hatte er befohlen drinnen zu bleiben. Mit der Brechstange in der Hand, arbeitete sich Martin langsam, und darauf bedacht keine Geräusche zu verursachen, auf den großen Weg zu, den normalerweise die Stapler benutzten.
Das Flackern der Lichter machte Martin nervös und überreizte seine Sinne. War da etwas im Hochregal? Was war das für ein Schatten beim Kleinlager? Eine Gänsehaut nach der anderen jagte über seinen Körper. Es waren unangenehme Schauer.
Der Angestellte mit der Axt war auf ihn aufmerksam geworden. Martin merkte das, weil er ihn direkt ansah. Jedoch machte keiner von ihnen Anstalten etwas zu sagen. Also winkte Martin ihn einfach zu sich her. Die Strecke wäre auf eine Minute gegangen gewesen, doch in dieser flimmernden Finsternis, wo jeder Schritt der Letzte sein konnte, brauchte der Mann geschlagene fünf Minuten, die sich für Martin wie eine Stunde anfühlte. Dann, endlich bei ihm eingetroffen, gingen sie vorsichtig in das Lagerbüro. Kaum war die Türe hinter ihnen eingerastet und das Schloss versperrt, atmete der Anzugträger tief aus.
„Was ist passiert? Was ist los?“ Die Fragen stellte Martin, obwohl er nicht glaubte, dass sein Gegenüber etwas wusste. Aber er konnte sich auch irren.
„Ich habe keine Ahnung, was geschehen ist.“
Der Mann wischte sich die Glatze mit seinem verschwitzten Hemd ab und versuchte seine verkrampfte rechte Hand von der Axt zu lösen.
„Ich weiß nur, dass alles nach dem blauen Blitz begonnen hat. Alle wurden ohnmächtig. Viele wachten nicht mehr auf. Und die, die aufwachten …“ Der Mann stockte, seine Augen waren glasig und er schien in weite Ferne zu entrücken.
„Hey!“ Martin stieß den anderen an der Schulter und versuchte ihn so wieder in die Realität zu holen. Mit Erfolg.
„Sie waren nicht mehr normal.“ Der Mann begann zu zittern.
„Wie, nicht mehr normal?“
Der Mann blickte Martin an und durch ihn hindurch. Er schien alles noch einmal zu durchleben.
„Der blaue Mond … Ich bin mir sicher, er hat damit zu tun.“
Martin wollte schon nachhaken, doch dann redete sein Gegenüber von alleine weiter.
„Seit er aufgetaucht ist, verhalten sich alle so … Ich weiß nicht wie ich sagen soll. Es scheint, als seien sie einfach alle Notgeil.“
Martin zog eine Braue hoch und dachte an seine Lustgrenze. Er hatte keine.
„Nach dem blauen Blitz, und nachdem alle wieder zu sich gekommen waren, habe ich bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Diejenigen, die überlebten, bewegten sich kaum und gaben nur monotones Gemurmel von sich. Zuerst dachte ich, ihnen würde etwas fehlen, doch ich täuschte mich. Und irgendwie auch nicht.“
Martin schüttelte den Kopf. „Das verstehe ich nicht. Erklären Sie das genauer.“
„Ich dachte sie wären verletzt, würden unter eine Art Schock leiden. So etwas in der Art. Ich untersuchte alle in meinem Bürotrakt, so wie wir es alle in den Erste Hilfe Schulungen lernten, doch ihnen fehlte nichts. Puls. Atmung. Herzschlag. Alles normal. Doch ich merkte auch, dass ihnen etwas wichtiges fehlte.“
Als der Mann nicht weiter sprach, stupste Martin ihn an. Er bekam nur einen verwirrten Blick.
„Was fehlte ihnen?“
„Der Verstand. Die Seele.“
Martin merkte, dass der Mann selbst an seinen Worten zweifelte.
„Wie soll ich das verstehen?“
„Sie wurden zu so eine Art …“ Es war ersichtlich, dass der Angestellte sich bemühte eine Umschreibung zu finden. Und Martin war verwundert, als er dann das Wort hörte. „… Zombie.“
„Zombie?“ Martin musste lachen.
Der Mann sah ihn erschrocken an. „Nicht so laut! Sie reagieren auf Geräusche empfindlich!“
Schnell sprang der Mann auf und sah gehetzt aus den Fenstern.
„Jetzt kommen Sie schon, Mann! Zombies? Also echt!“
Erst jetzt fiel Martin ein, dass er sich seinem Gegenüber noch nicht vorgestellt hatte und auch dieser seinen Namen nicht genannt hatte. Aber das würde sich auch später erledigen lassen.
„Das waren bestimmt Schockgranaten. Ich denke, wir sind Opfer eines Überfalls geworden. Vielleicht rennen hier die Terroristen mit Zombiemasken rum. Aber das sich Menschen einfach in Untote verwandeln? Bestimmt nicht!“
Der Mann sah Martin mit bösem Blick an.
„Sie sind nicht untot. Obwohl … Ich weiß es nicht. Für mich macht es den Eindruck, dass ihre Seelen ihren Körper verlassen haben.“
Der Mann umrundete einen Schreibtisch, strich sich seinen Anzug glatt und begann alle Utensilien zu sortieren. Anscheinend brauchte er eine Beschäftigung, damit er nicht durchdrehte.
„Ich wollte Hilfe rufen, doch alle Leitungen sind tot. Telefon, Internet, Handy … Nichts funktioniert mehr! Als das nicht klappte, wollte ich nach jemanden Ausschau halten, der mir helfen konnte. Doch überall lagen nur tote Kollegen. Und diese … Zombies, die sich langsam zu regen anfingen.“
Der Schlipsträger nahm eine Schere und begann sich die Fingernägel zu säubern. Unter ihnen hatten sich Blut und Dreck angesammelt.
„Ich sah zu, wie sie übereinander herfielen. Sie bissen sich gegenseitig. Gruben ihre Hände tief in das Fleisch des anderen.“
Der Namenlose schüttelte sich. Langsam schien das Adrenalin nachzulassen, dass ihn die ganze Zeit über aufrecht gehalten hatte. Sein Körper sackte langsam in sich zusammen, seine Stimme wurde leiser und man sah ihm an, dass er darum kämpfte bei Bewusstsein zu bleiben.
„Ich war so geschockt, dass ich kaum mitbekommen habe, dass es mehrere Überlebende gab. Normale, wie wir. Sie kämpften sich durch und wollten zum Parkplatz. Ich nahm mir die Axt aus einem der Notfallschränke und betätigte den Feuermelder. Ohne Effekt. Dann begann ich mich ebenfalls zum Parkplatz auf zu machen. Doch dabei kamen mir diese Kreaturen in den Weg. Sie fallen einen sofort an. Wollen einen beißen. Und wenn sie dich beißen … Dann bist du nicht mehr lange du.“
Dabei sah der Mann auf eine Bisswunde an seinem Unterschenkel, die durch die zerrissene Hose durchschien und blutete.
„Ich will keine solche Kreatur werden.“
Weder Martin noch Steffi ahnten, was auf den letzten Satz folgte. Schnell wie der Blitz stieß sich der Mann die Schere in den Kopf und kippte hinten über. Reglos lag er im Sessel und es war für jeden ersichtlich, dass er tot war.
Steffis Augen wurden ganz groß, als sie das Leben aus dem Mann weichen sah und begann dann lauthals zu schreien. Die Geräuschkulisse im Lager nahm umgehend zu.
Und diesmal erkannte Martin sie. Es war, wie aus diesen Zombiefilmen, wo sich eine Horde dieser Kreaturen auf einen zu bewegte.

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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Re: [FB21 AVL/Slash] Rise of the Blue Moon

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Kapitel 2: Escape

Obwohl Martin die Horden an Zombies auf sich zukommen sah, konnte er immer noch nicht glauben, was sich vor seinen Augen abspielte. Vor wenigen Stunden war sein Leben noch ganz normal verlaufen und nun musste er um sein Leben kämpfen. Doch mit was sollte er kämpfen? Er hatte eine Brechstange und eine Axt. Doch wie sollte er mit diesen primitiven Waffen einer ganze Meute von Zombies Herr werden? Zudem war da noch eine junge Studentin, die vollkommen mit der Situation überfordert war und nahe an einem geistigen Kollaps stand.
„Wir kommen hier nicht raus. Niemals. Wir werden gefressen.“
Steffi kauerte in der gegenüberliegenden Ecke zur Tür und hatte ihren Kopf zwischen ihre Beine gesteckt, sowie ihre Arme über dem Kopf verschränkt.
Martin sah sie mitleidig an, konnte jedoch ihrer Aussage nicht widersprechen.
„So sieht‘s aus.“
Langsam setzt sich Martin auf einen Stuhl und sah zu, wie die Zombies immer näher und näher kamen. Durch das flackernde Licht des Lagers erkannte er, dass sie so gar nicht nach den Kreaturen aussahen, wie man sie aus Film und Fernsehen kannte. Sie wirkten weder verfault, noch in einem anderen Zustand des Verfalls.
Vielleicht kommt das noch.
Jedoch waren ihre Bewegungen langsam und ungelenk. Ihr Gesichtsausdruck nicht zu deuten und sie schienen keiner Sprache mehr mächtig zu sein. Die einzigen Geräusche, die sie von sich gaben, waren grunzende Laute.
Hinter sich hörte Martin etwas klicken. Als er sich umdrehte, war Steffi gerade dabei ein Fenster zu öffnen und hinauszuspringen. Schnell packte er die Axt und Brechstange und hechtete der Achtzehnjährigen hinterher.
Warum bin ich Depp nicht darauf gekommen durchs Fenster abzuhauen?
Martin hetzte Steffi hinterher und packte sie am Arm, als er knapp hinter ihr war. Sie schrie auf, drehten sich um und versuchte zuzuschlagen. Ihr Blick war wirr, unruhig und von Angst erfüllt. Martin Ohrfeigte sie und zog sie, ohne ein Wort zu verlieren, hinter sich her.
Über verwinkelte Plätze, wo Firmenautos, LKWs, Transporter, Paletten und Gitterboxen standen, rannten, schlichen und quetschten sie sich vorwärts. Martin erhaschte immer wieder einen Blick auf den Mond, dessen unnatürliches blaues Licht wie eine Verheißung lockte. Obwohl er sich sicher war, dass der Mond mit dieser Situation zu tun hatte, musste Martin aber zuerst einmal sein Überleben sicherstellen. Zudem das von seiner Begleiterin.
Als sie sich dem Parkplatz näherten und sich durch eine letzte Reihe von Gitterboxen zwängten, sahen sich beide einem Zombie gegenüber. Glücklicherweise trennte Martin und Steffi ein Fenster von dem Wesen. Es war eine Frau, die versuchte eines der Labore zu verlassen. Doch sie scheiterte an der Tatsache, dass die Türe verschlossen war. Denn so oft sie auch die Klinke runterdrückte, die Türe blieb zu. Für Martin ergab sich daraus der Rückschluss, dass es den Zombies in der Tat an Intelligenz mangelte. Fakt war auch, dass sie nicht verwesten. Aber das konnte noch kommen, da die Infizierung, oder was auch immer, weniger als ein oder zwei Stunden zurück lag.
Ich bin mir sicher, dass wir in ein paar Tagen sehen werden, was mit den Menschen passiert.
Steffi musste eine Gitterbox mit zusammen geschnittenem Papier und Kartons verschieben, um auf den Weg zum Parkplatz zu gelangen. Doch das Metall schrammte laut über den Teerboden. Martin und Steffi erschraken und erstarrten in ihren Bewegungen. Doch der erwartete Effekte, dass sie nicht vom Zombie bemerkt wurden, blieb aus. Die Frau drehte sich um und ging direkt auf das Fenster zu, durch das Martin und Steffi hinein sahen.
„Schnell!“
Steffi drängte Martin, doch dieser blieb wie angewurzelt stehen. Als wäre er hypnotisiert, beobachtete er die Frau im weißen Kittel. Sie hatte wohl zum Qualitätsmanagement gehört und schien in diesem Labor etwas überprüft zu haben, als ihr Schicksal sie ereilte.
Gerade wollte Steffi an Martins Schulter rütteln, als ihr auffiel, dass er nicht direkt die Frau anstarrte, sondern ein nicht isoliertes Stromkabel, auf die der Zombie zusteuerte. Wohl nicht mit Absicht, denn die Frau schien das ab und an Funken sprühende Kabel nicht zu bemerken.
Martin wollte wissen, was passierte, wenn der Zombie mit dem Stromkabel in Berührung kam und hoffte, dass sie es berührte. Er wurde nicht enttäuscht. Die Frau zuckte zusammen, hatte einen spastischen Anfall und fiel dann auf den Boden. Sie blieb reglos liegen. Für Sekunden. Länger. Noch länger. Dann lief ihr leuchtend blaue Flüssigkeit aus Ohren und Nase. Dunkelrotes Blut quoll ihr aus Augen und Mund.
„Was ist das?“
Martins Antwort war kurz. „Keine Ahnung. Aber Strom scheint sie zu töten.“
„Seltsame Zombies.“
„Als ob man Fernsehen und Literatur mit der Realität vergleichen könnte.“
Aber wenn Elektrizität sie tötet, dann hab ich in meinem Auto etwas, was uns helfen könnte.
Steffi und Martin rissen sich nach wenigen Sekunden von diesem Anblick los und machten sich auf ihren Weg. Schließlich kamen sie nach weiteren fünf Minuten am Parkplatz an. Steffi fiel es zuerst auf.
„Ich höre keine Tiere. Keine Vögel. Keine Katzen. Keine Grillen.“
Martin erwiderte nichts. Stattdessen versuchte er sein Auto zu finden. Anscheinend hatte die erste Gruppe von Flüchtigen den Parkplatz verwüstet, als sie nach einem Gefährt gesucht hatten und dann mit diesem viele Kollateralschäden anrichteten. Als Martin sein Auto endlich entdeckt hatte, war er überrascht, dass es unbeschädigt war. Als er den Funkschlüssel betätigte, tat sich jedoch nichts. Auch nach vermehrten drücken auf die Öffnen-Taste blieb der Wagen verschlossen.
Vielleicht Batterie leer. Ungünstiger Zufall.
Schnell sperrte er sein Auto mechanisch auf und sprang rein. Steffi legte sich auf die Rückbank und entließ einen erleichterten Seufzer. Kaum, dass sie das getan hatte, schlief sie schon.
„Verdammt.“
Martin murmelte mehrere Schimpfwörter, als das Auto nicht startete. Es war tot. Selbst der Versuch es kurzzuschließen scheiterte.
Ein elektromagnetischer Puls? Wenn dem so wäre, dann sind nicht nur alle Autos mit Elektrik betroffen, sondern die ganze Elektrik der Welt! Keine Computer. Kein Internet, Radio oder Fernsehen. Keine Kommunikation. Keine Information. Fast, wie bei einer Invasion.
Doch von wem sollte die Invasion ausgehen? Aliens? Martin bezweifelte, dass die Zombies irgendwie von Aliens erschaffen oder manipuliert wurden. Wahrscheinlich war eher, dass irgendein ein künstlicher Virus dahinter steckte, den nun die Militärs versuchten auszurotten.
Obwohl keine Zombies in Sicht- und Hörreichweite waren, setzte Martin alles daran so schnell wie möglich mobil zu werden. Er griff hinter sich und wollte die Waffe an sich nehmen, die er von seinem ehemaligen Kollegen bekommen hatte. Kurz fragte er sich, was aus ihm geworden war, doch als er an etwas warmes und feuchtes fasste, wanderten seine Gedanken wieder ins Hier und Jetzt. Als sich Martin umdrehte stöhnte Steffi gerade auf. Sein Blick fiel zuerst auf ihr gerötetes Gesicht, dann auf seine Hand, die sich zwischen ihren Beinen unter dem Rock befand.
Unten ohne!
Die Situation vollkommen vergessend kitzelte Martin mit seinem Zeigefinger Steffis Vagina. Ihr Stöhnen war leise, dafür aber zart und erregend. Ohne es zu wollen, bekam Martin einen Steifen. Er wollte gerade mit seinem Mittelfinger in sie eindringen, als Steffi ihre Augen aufschlug und laut NEIN rief. Durch ihre hastige Bewegung erhaschte er einen Blick auf ihre intime Zone, die glatt rasiert war. Er zog seine Hand zurück, leckte sich die Fingern ab und warf der Studentin einen obszönen Blick zu.
„Das Auto ist tot.“
„Das bist DU gleich, wenn du mich noch mal anfasst!“
„War keine Absicht.“
„Kann ja jeder behaupten!“
„Eigentlich wollte ich die Waffe, die irgendwo da hinter liegen müsste. Kannst du sie mir bitte geben?“
Steffi sah sich kurz um und reichte dann Martin den Prototypen.
„Du meinst dieses Spielzeug?“
Das es für Steffi so wirken musste - und wohl für jeden anderen auch -, war Martin klar.
„Das ist kein Spielzeug. Sondern ein Prototyp einer sich selbst regenerierenden Schockwaffe.“
Steffi blickte Martin verständnislos an.
„Simpel gesagt benutzt die Waffe abgestorbene Haut und Haare, um Geschosse zu erstellen; sowie die körpereigene Bioelektrizität, um die Geschosse zu laden.“
„Ein Parasit.“
„Nein, nicht wirklich.“
„Aber es hört sich so an.“
„Die Waffe ist nicht lebendig und sie greift nicht den Körper an. Sie kann auch den Umgebungsstaub benutzen und freie Elektronen einfangen. Was aber nicht so effizient ist.“
„Also ich würde nicht benutzen wollen.“
„Das Projekt wurde eingestellt.“
„Schlechter ruf, was? Eine Waffe, die den eigenen Körper benutzt …“
„Eigentlich, weil sie unrentabel ist. Einmal hergestellt braucht sie keine Munition. Nur eine Wartung alle heiligen Zeiten mal.“
„Das liebe Geld wieder.“
Martin nickte. Dann legte er die Waffe an seinem rechten Arm an und befestigte sie. Der Lademodus zeigte an, dass der Prototyp eine Minute brauchte, um die das erste Geschoss fertig zu machen.
Das ist natürlich auch ein Kriterium gewesen, für die Stilllegung: Zu geringe Feuerrate.
Natürlich hatte die Waffe ein Magazin, das mit der Zeit 50 Geschosse beherbergen konnte, aber bis diese erst einmal oder wieder hergestellt waren, dauerte es. Für den privaten Einsatz wäre sie ganz praktisch gewesen. Auch bei Sicherheitsdiensten und der Polizei wären 50 Schuss mehr als ausreichend, doch nicht so beim Militär. Da waren 50 Schuss ein Tropfen auf dem heißen Stein.
„Wir brauchen ein anderes Fahrzeug.“
„Sind nicht alle tot?“
Martin und Steffi stiegen aus dem Auto und sahen sich um.
„Fahrzeuge mit Elektronik sind sicher am Arsch. Je mehr Elektronik, desto anfälliger.“
„Soll heißen, wir brauchen ‘nen fahrbaren Untersatz, der kaum oder keine Elektronik hat.“
„Jo.“
Steffi machte genau einen Schritt, als Martin sie packte und mit sich zerrte.
„Gefunden.“
„Was? So schnell?“
Sie machte große Augen, als sie vor dem Gefährt stand, das Martin sich ausgesucht hatte.
„Ein HUMMER?“
Das Fahrzeug war gewaltig, fand Steffi. Es nahm eineinhalb Parkplätze in der Breite ein und auch die Länge war nicht zu verachten. Was es ihr angetan hatte, war aber die Höhe und beeindruckende Massivität.
„Das Teil gehört jemanden aus dem Management. Ein Fan von US-Cars. Ich hab den bei diversen US und Western-Treffen gesehen, wo er immer damit angegeben hat, dass das Auto speziell abgeschirmt sein.“
Martin strich über den Kühlergrill und probierte die Türe zu öffnen. Natürlich war sie verschlossen.
„Zeit das mal zu testen.“
Er stieg auf die Motorhaube und dann aufs Dach.
„Bingo.“
Er reichte Steffi die Hand, damit sie zu ihm hoch kommen konnte. Dann stiegen beide ins Auto. Martin als Erster auf den Fahrersitz, danach Steffi neben ihn. Dabei erhaschte er einen unfreiwilligen Blick zwischen ihre Beine.
Glatt, wie ein Babypopo und keine Schamlippen!
Verdammt, ich bekomm ´nen Steifen.

„Ziemlich verantwortungslos, die Dachluke offen zu lassen.“
„Gut für uns. Aber ein Dieb würde sowieso nicht ran kommen. Wir befinden uns auf einem umzäunten und videoüberwachten Gelände.“
„Das wusste ich nicht.“
„Wie so vieles.“
Steffi blieb still. Ihr war durchaus bewusst, dass sie mit ihren achtzehn Jahren keine große Lebenserfahrung hatte.
„Wir sind drinnen. Und nun?“
„Mach die Luke zu. Wir fahren los.“
„Wie, ohne Schlüssel?“
Trotz ihres Einwurfes gehorchte sie. Aus versehen kam sie dabei auf einen Knopf, der alle Türen verriegelte. Martin ignorierte das. Sah es sogar als gut an, da so keine Zombies die Türen aus versehen öffnen konnten oder irgendwelche Überlebenden, die versuchten sie aus dem Wagen zu zerren. Denn Martin ging davon aus, dass es Überlebende hab.
Wär dem nicht so, wär das ein ziemlich großer Zufall.
„Damit.“ Martin zog einen Schlüsselbund aus seiner Brusttasche.
„Ist das …“
„Ja.“
„Wie kommst du an den Autoschlüssel?“
„Du erinnerst dich an den Selbstmörder?“
Martin meinte den Mann, der vor weniger als einer halben Stunde sich eine Schere in den Kopf gerammt hatte. Steffi nickte nur. Ihr war anzusehen, dass sie dieses Erlebnis mitgenommen hatte.
Aber nicht nur das, die komplette Situation ist verrückt.
Zombies! Wo kommen die bloß her? Oder besser: Wie entstehen sie?

Martin drehte das Zündschloss und der Hummer sprang an. Er schnurrte wie ein Kätzchen. Doch als sie losfahren wollten, starb der Wagen ab.
„Sorry, abgewürgt. Bin so ein Teil nicht gewohnt.“
Steffi gab nur ein brummendes Geräusch von sich.
Als Martin langsam losfuhr, drehte sich Steffi zu ihm um. Beide waren nicht angeschnallt.
„Vielleicht sind es Wer-Zombies?“
Martin schwieg und sah bedeppert drein.
„Was?“
„Ich frag mich grad ob du nicht blond bist.“
„Danke.“
Steffi kniff die Augen zusammen und sah Martin mit bösem Blick an. Doch dieser ignorierte ihn geflissentlich und konzentrierte sich lieber auf das Fahren. So ein Hummer steuerte sich schwerfälliger als sein kleiner Flitzer.
„Ich meinte ja auch nur, dass sie sich vielleicht bei Sonnenaufgang zurück verwandeln. So plötzlich wie sie aufgetaucht sind …“
Martin schüttelte nur den Kopf. Er fuhr einen kleinen Parcours, um zur Ausfahrt zu kommen.
„Ich finde seltsam, dass man nicht mehr Zombies sieht. In Filmen tauchen die massenweise auf.“
„Das hier ist aber die Realität und kein Film. Die meisten Leute schlafen um diese Uhrzeit.“ Martin sah kurz auf die digitale Uhr in der Armatur. Sie zeigte 01:12 an. „Wir wissen nicht, wie die Verwandlung wirkt. Vielleicht wachen sie erst morgen, heute früh auf und sind dann Zombies.“
Martin hatte schon immer Probleme damit gehabt, den Tag richtig zu definieren, wenn es nach Mitternacht war. Für ihn blieb der Tag solange ein und der selbe, bis er geschlafen hatte oder es helllichter Morgen wurde.
„Oder sie wachen mit der Verwandlung auf. Nichts desto trotz ist es mitten in der Nacht und die Leute sind zu Hause. Und dort werden sie auch aufwachen. Wenn sie Zombies sind, dann werden sie, sofern die Verblödung bei allen eintritt, eine Zeit lang auch dort bleiben. Du hast ja gesehen, dass die Laborantin nicht auf die Idee gekommen ist die Türklinke zu benutzen.“
„Das leuchtet ein.“ Steffi machte ein nachdenkliches Gesicht. „Aber ich glaube, der Zombie - die Zombiene, auch was weiß ich, hätte es früher oder später gerafft.“
„Ich auch.“
Als er nach links abbog, sah Martin schon das Werkstor - geschlossen. Und nicht nur das. Der Wächter, einer von vielen Sicherheitsangestellten, kämpfte gerade darum eine kleine Gruppe Zombies draußen zu halten.
„Da sind doch welche.“
Irgendwie freute es Steffi, dass sie doch ein wenig recht behalten hatte.
„Sieht wie eine Gruppe Jugendlich aus.“
Martin wog ab, ob er Gas geben oder abbremsen sollte.
„Ich glaub, auf solche werden wird öfters stoßen. Schließlich gehen wir Teenager Nachts immer auf Partys.“
Martin hörte Spott aus Steffis Stimme. Ignorierte sie aber ansonsten.
„Ich wer anhalten und helfen.“
„Wieso?“ Steffis Gesicht war voller Entsetzen.
Martin lehnte sich zu der jungen Frau hinüber und sah ihr direkt in ihre hellblauen Augen.
„Weil wir nur zu zweit sind. Wir haben eine Brechstange, eine Axt und eine prototypische Waffe, von der ich nicht mal weiß, ob sie wirklich hilfreich ist.“ Steffi schluckte schwer. „Zu dritt können wir uns besser wehren und unser Sicherheitspersonal hat Schlagstöcke und Taser.“
Martin wusste selber nicht, warum das so war, freute sich aber gerade darüber.
Der Hummer blieb zehn Meter vorm Tor stehen. Martin hatte die Axt in der Linken, während an seiner Rechten die Elektrowaffe befestigt war. Steffi blieb hinter ihm und hielt mit beiden Händen ihr Brecheisen umklammert. Der Schein des blauen Mondes ließ alles in einem seltsam irritierendem Licht erscheinen. Die Schatten wirkten grau und nicht schwarz, die Personen leichenhaft blass und Objekte, wie etwa das Wächterhäuschen, schienen zu glänzen.
In dem kleinen Verschlag aus Metall und Glas kämpfte der Wächter gerade mit einem Zombie, um die Vorherrschaft. Anscheinend wollte er das Tor verriegeln. Immer und immer wieder hieb der Mann mit seinem Schlagstock auf den Kopf eines jungen Mannes ein, bis dieser knackend nachgab. Sein Blick fiel auf die beiden Neuankömmlinge und so etwas wie Erleichterung schien über sein Gesicht zu huschen.
„Hinter dir!“
Der Schrei kam von Steffi und der Wachmann reagierte sofort. Er drehte sich um und sah, wie einer dieser Zombies durch die noch nicht verriegelte Türe gestolpert kam. Der Wächter zog seinen Taser und hielt ihn genau zwischen die Augen des etwa sechzehnjährigen Mädchens. Zuckend fiel diese zu Boden und musste, wir ihr Vorgänger, so lange Schläge erdulden, bis kein Funken Leben mehr in ihr war. Dann schloss er die Türe und sperrte ab.
Als er auf sie zukam, nickte Martin ihm zu. Blut tropfte vom Schlagstock und die Uniform, wie sein Gesicht waren von Blutspritzern übersät. Seine Jacke hatte er weggeworfen, da diese zerrissen war.
„Dank…“
Der Wachmann brachte das Wort nicht zu Ende. Er sah nach unten, wo eine Stange aus seiner Brust ragte. Martin machte große Augen, als er Steffi hinter dem Wächter ausmachte.
„Was zur Hölle soll das?!“
„Er wurde gebissen!“
Steffi weinte fast und deutete auf die linke Schulter des Mannes. Dieser fiel auf die Knie und röchelte. Es war klar, dass er nur noch mehr Sekunden hatte.
„Sie …“ Begann er. „… sind nicht …“ Blut sprudelte aus seinem Mund. Steffi hatte auch die Lunge durchbohrt. „… Man wird nicht …“
Ohne etwas Brauchbares erfahren zu haben nahm Martin den Schlagstock und den Taser an sich. Dann sah er zum Tor, wo noch ein Zombie stand. Er hob seine Rechte, zielte und schoss. Der Zombie zuckte unter der Elektrowaffe und blieb dann reglos liegen.
Martin ging zum Wachhäuschen und betätigte den Öffnungsschalter für das Tor. Zuerst tat sich nichts, doch dann begann das Tor sich knirschend und langsam zu bewegen. Die Vermutung lag nahe, dass der Notstromgenerator bald seinen Geist aufgeben würde. Als er zurück zum Hummer ging, zielte er sicherheitshalber auf den erschossenen Zombie.
Beim Hummer angekommen, warf er die erbeuteten Waffen auf den Rücksitz. Der Zombie bewegte sich immer noch nicht, als Martin sich hinter das Steuer geklemmt hatte. Anscheinend tötete Elektrizität die Zombies.
„Steig ein. Wir fahren weiter.“
„Wohin?“
Martin antwortete nicht. Als er den Anschein erweckte ohne sie losfahren zu wollen, sprintete Steffi los und hechtete in den Wagen. Dann fuhren sie in die nicht ganz so finstere Nacht einem Ziel entgegen, das Steffi unbekannt war.

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Kapitel 3 – Search

Anders als in den Filmen, die Martin früher belächelt hatte, waren die Straßen nicht verstopft. Keine kilometerlangen Blechlawinen, keine ineinander verkeilten Fahrzeuge, keine brennenden Wracks an jeder Kreuzung. Der Hummer rollte beinahe lautlos durch die nächtliche Stadt, sein Motor tief und gleichmäßig, als wäre nichts geschehen. Die breiten Reifen fraßen den Asphalt, während die Scheinwerfer Schneisen aus Licht durch die Dunkelheit schnitten.
Steffi saß angespannt neben ihm, die Schultern hochgezogen, die Hände ineinander verkrampft. Ihr Blick wanderte rastlos von links nach rechts, sog jedes Detail auf, als könnte sie aus der Umgebung irgendeine Erklärung destillieren.
„Es ist irgendwie… falsch“, sagte sie schließlich leise. „Alles ist so leer.“
Martin antwortete nicht sofort. Er konzentrierte sich auf die Straße, auf jede Kreuzung, jede Einfahrt, jede dunkle Gasse. Vereinzelte Autos standen schief geparkt am Straßenrand, einige mit offenen Türen, andere mit eingeschlagenen Scheiben. Hier und da sah man ein verunfalltes Fahrzeug, das gegen eine Laterne oder eine Leitplanke geprallt war. Aber es waren wenige. Zu wenige.
„Dass das alles nachts passiert ist“, fuhr Steffi fort und schüttelte ungläubig den Kopf, „ist wahrscheinlich der einzige Grund, warum hier nicht alles voller Unfälle ist.“
Sie lachte kurz auf, ein trockenes, unpassendes Geräusch. „Schon absurd, oder? Dass man in so einer Situation über Verkehrsunfälle nachdenkt.“
Martin verzog keine Miene. Der Gedanke war logisch, nüchtern – und gerade deshalb unangenehm. Er mochte diese neue Art von Pragmatismus nicht, die sich in ihm breitmachte.
Vereinzelt tauchten Gestalten am Straßenrand auf. Menschen. Oder das, was aus ihnen geworden war. Zombies, wie sie sie inzwischen nannten, mangels eines besseren Wortes. Sie bewegten sich langsam, suchend, die Köpfe leicht geneigt, als lauschten sie auf etwas, das Martin und Steffi nicht hören konnten.
„Wonach suchen die eigentlich?“, murmelte Steffi.
Martin zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung.“
Als der Hummer an ihnen vorbeibrauste, drehten sich einige der Zombies um. Mühsam setzten sie sich in Bewegung, stolperten, schlurften, hoben die Arme. Hoffnungslos langsam. Nach wenigen Sekunden waren sie nur noch Schatten im Rückspiegel.

Nach einer Weile erkannte Steffi die Umgebung. Ihre Körperhaltung veränderte sich abrupt. Sie beugte sich vor, presste die Hände gegen das Armaturenbrett.
„Martin… da vorne. Das ist nicht weit von hier.“
Er wusste, was jetzt kommen würde, noch bevor sie es aussprach.
„Nein“, sagte er sofort. „Kommt nicht infrage.“
„Bitte“, sagte sie. Ihre Stimme war plötzlich dünn. „Meine Eltern wohnen hier. In dem Hochhaus da.“
Martin presste die Lippen zusammen. „Das ist zu gefährlich.“
Sie drehte sich zu ihm um. „Du willst doch auch nach Hause. Zu deiner Frau. Zu deinem Sohn.“
Der Satz traf ihn härter, als er erwartet hatte. Sie benutzte seine eigenen Worte, seine eigene Logik. Er schwieg.
„Es könnte genauso gefährlich sein“, fuhr Steffi fort, „oder genauso tödlich. Für uns beide.“
Sekunden vergingen. Der Motor brummte. Schließlich lenkte Martin den Hummer in eine Seitenstraße.
„Verdammt“, murmelte er. „Okay. Aber wir bleiben nicht länger als nötig.“

Das Hochhaus ragte dunkel vor ihnen auf, ein grauer Koloss aus Beton und Glas. Martin parkte den Hummer direkt vor dem Eingang, so, dass die Front zur Straße zeigte. Ein Griff, ein Tritt aufs Gas, und sie wären wieder weg – zumindest in der Theorie.
Bewaffnet stiegen sie aus. Die Nachtluft war kühl, roch nach Beton, Öl und etwas Süßlichem, das Martin nicht einordnen wollte. Die Haustür war abgeschlossen. Steffi kramte hastig in ihrer Tasche, zog einen Schlüssel hervor.
„Ersatzschlüssel“, flüsterte sie. „Für Notfälle.“
Das Schloss gab mit einem leisen Klicken nach. Die Tür öffnete sich quietschend. Beide zuckten zusammen.
Im Flur war es dämmrig. Der blaue Mondschein fiel durch die Fenster und malte fremdartige Schatten an die Wände. Dann hörten sie es: Stöhnen. Mehrere Stimmen. Gedämpft, rhythmisch, eindeutig.
„Oh Gott“, flüsterte Steffi. „Haben die…?“
Sie machte einen Schritt auf die Tür mit der Aufschrift Hausmeister zu. Martin packte sie am Arm.
„Nein.“
In diesem Moment öffnete sich die Tür langsam. Eine Katze huschte heraus, fauchte leise und verschwand im Treppenhaus. Steffi erstarrte, riss die Hände vor den Mund, um einen Schrei zu unterdrücken.
Im Inneren der Wohnung sahen sie zwei Zombies. Nackt. Ineinander verschlungen. Ihre Bewegungen waren mechanisch, leer, aber eindeutig. Martin spürte, wie sich sein Magen verkrampfte. Ohne ein Wort zogen sie sich zurück, schlichen die Treppe hinauf.
Es war still. Zu still.

Im dritten Stock öffnete Steffi die Wohnungstür ihrer Eltern. Kein Licht. Nur der blaue Schimmer des Mondes. Martin folgte ihr. Alles war eng. Zu eng. Der Flur, die Türen, die Wände. Keine Übersicht, keine Fluchtmöglichkeiten. Sein Instinkt schrie.
Die Möbel wirkten alt, schwer, überladen. Antik. Für Martin gleichbedeutend mit schlechtem Design. Müll. Er wollte hier nicht sein.
„Steffi?“, flüsterte er nach einer Weile.
Keine Antwort. Er fand sie im Türrahmen des Schlafzimmers. Regungslos. Wie versteinert. Ihre Eltern lagen nebeneinander im Bett. Friedlich. Zu friedlich.
„Schlafen sie?“, flüsterte Martin.
Steffi schüttelte langsam den Kopf. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Ihr Körper bebte vor Trauer.
Er legte ihr die Hände auf die Schultern und führte sie hinaus. Beim Hinuntergehen hörten sie aus anderen Wohnungen Kratzen, Stöhnen, Brummen. Aber niemand kam heraus.

Draußen erreichten sie ohne Probleme den Hummer. Steffi brach auf dem Rücksitz zusammen, weinte leise, unaufhörlich, bis sie einschlief. Martin schloss das Trenngitter. Er hatte Angst. Nicht nur vor Zombies. Vor Schmerzen. Vor dem Gefressenwerden. Vor dem Verlust der Kontrolle. Und davor, selbst einer von ihnen zu werden.
Er fuhr los. Richtung Zuhause. Und je näher er kam, desto stärker wurde eine andere Angst. Verlust.

Das Radio war tot, also hatte Martin es schon längst ausgeschaltet. Kein Rauschen, keine abgehackten Notfallmeldungen, keine verzerrten Stimmen, die Durchhalteparolen oder Evakuierungsbefehle verkündeten. Nichts. Nur das gleichmäßige Brummen des Motors, das leise Abrollen der Reifen auf dem Asphalt und hin und wieder das entfernte Klacken, wenn ein kleines Steinchen gegen den Unterboden schlug.
In dieser Stille hingen seine Gedanken fest wie in zähem Sirup.
Seltsamerweise kreisten sie nicht zuerst um die Apokalypse. Nicht um Zombies, den blauen Mond oder die Frage, ob die Welt, wie er sie kannte, in dieser Nacht endgültig gestorben war. Nein. Seine Gedanken gehörten seiner Familie.
Seiner Frau. Seinem Sohn.
Er sah ihr Gesicht vor sich, wie sie ihn noch genervt angesehen hatte, als er zu spät zur Arbeit aufgebrochen war. Die Art, wie sie die Stirn runzelte, wenn sie versuchte, ruhig zu bleiben, obwohl sie wütend war. Und seinen Sohn, der noch halb verschlafen auf dem Sofa gesessen hatte, mit zerzausten Haaren und diesem schiefen Lächeln, das ihm jedes Mal den Boden unter den Füßen wegzog.
Lebten sie noch?
Oder waren sie… so wie die anderen?
Und wenn ja – was würde er tun, wenn er ihnen gegenüberstand?
Die Frage brannte sich schmerzhaft in seinen Kopf. Er stellte sie sich immer wieder, ohne auch nur ansatzweise eine Antwort zu finden. Weglaufen? Kämpfen? Zögern? Zusammenbrechen?
Er wusste nur eines: Nichts davon würde ihn unversehrt lassen.
Erst im zweiten Gedankengang, fast widerwillig, beschäftigte er sich mit dem, was draußen vor sich ging. Mit der Apokalypse selbst.
Diese Zombies waren falsch. Auf eine Weise, die ihn mehr verstörte als alles andere. Sie entsprachen nicht dem, was man aus Horrorfilmen kannte. Keine faulenden Leichen, keine herausquellenden Gedärme, keine schreienden Monster. Zumindest noch nicht. Sie wirkten… lebendig. Körperlich intakt. Nur innerlich leer.
Und dann war da diese Erinnerung.
Zwei Zombies. Nackt. Ineinander verkeilt. Mechanisch. Ausdruckslos.
Martin verzog angewidert das Gesicht, obwohl niemand es sehen konnte. Es war grotesk gewesen. Abstoßend. Und zugleich beunruhigend normal. Nicht der Akt an sich – sondern die Tatsache, wie zielgerichtet und gleichzeitig bedeutungslos er gewirkt hatte.
Was ihm außerdem aufgefallen war – und dieser Gedanke ließ ihn nicht los – war das Verhalten der Zombies gegenüber Stromquellen. Sie hielten Abstand. Drehten sich weg. Mieden Lichtquellen, sofern es überhaupt noch welche gab. Die wenigen, die er gesehen hatte, wirkten provisorisch: Batteriebetrieben, akkubasiert oder von Solarzellen gespeist. Kein richtiges Netz. Keine stabile Versorgung.
Ein Muster, das er noch nicht verstand.
Der Weg führte ihn aus der Stadt hinaus. Die Bebauung wurde lockerer, die Straßen breiter, die Häuser niedriger. Hier draußen häuften sich die verunfallten Fahrzeuge. Autos, die ins Bankett geraten waren, schief in Gräben lagen oder quer über Fahrbahnen verteilt standen. Aber es war nicht das totale Chaos. Martin konnte ausweichen. Manchmal langsam, manchmal mit einem entschlossenen Ruck am Lenkrad.
Und selbst wenn nicht – der Hummer hielt einiges aus.
Über den Besitzer wusste Martin nicht viel. Sie hatten sich nur selten getroffen, meist zufällig auf dem Firmengelände. Ein Mann aus dem Management. Still. Beobachtend. Aber eines wusste Martin sicher: Der Typ war ein Survival-Fanatiker. Er sprach gerne von Selbstversorgung, Abschirmung, Notstrom. Und von Live-Action-Rollenspielen, bei denen er offenbar mehr Ernst hineinlegte, als gesund war.
Jetzt saß Martin in dessen rollendem Manifest.
Immer wieder sah er Gestalten am Straßenrand. Zombies. Manche allein. Manche in Gruppen. Einige suchend, andere beschäftigt. Zu beschäftigt.
Er sah Menschen, die von Zombies festgehalten wurden. Männer und Frauen. Die Szenen waren verstörend, aber nicht in der Art, wie er es erwartet hätte. Es ging nicht um Fressen. Nicht um Zerreißen. Die Bisse wirkten… anders. Tiefer. Blutiger. Zielgerichteter. Und oft begleitet von Berührungen, die nichts mit Angriff im klassischen Sinn zu tun hatten.
Martin schluckte.
Was auch immer das war – normal war es nicht.
Aber was war an einer Apokalypse schon normal?
Er dachte an Steffis Eltern. An die friedlichen Körper im Bett. An die vielen Leichen, die er in dieser Nacht gesehen hatte. Menschen, die tot waren – und es geblieben waren.
Die Zombifizierung wurde offenbar nicht durch den Tod ausgelöst.
Also musste es einen anderen Auslöser geben.
Welchen?
Zu viele Fragen. Zu wenige Antworten.

Etwa eine halbe Stunde, nachdem er vom Haus von Steffis Eltern losgefahren war, erreichte er einen kleinen Vorort. Ruhig. Gepflegt. Reihen aus Einfamilienhäusern mit kleinen Vorgärten. Er hielt vor einem der Häuser an.
Das Gebäude war modern, aber klein. Klare Linien, helle Fassade, große Fensterfront zur Straße hin. Ein flaches Dach mit integrierten Solarpaneelen, die sich matt im blauen Mondlicht spiegelten. Ein schmaler Weg führte zur Haustür, gesäumt von akkurat geschnittenen Büschen. Kein Zaun. Kein Gitter. Nichts, was Schutz versprach. Es wirkte… verletzlich.
Martins Haus.
Hinter sich hörte er ein Geräusch.
Er fuhr herum, die Hand bereits halb erhoben, der Körper angespannt, bereit für das, was er zu sehen glaubte. Für einen Angriff. Für glasige Augen. Für gierige Bewegungen.
Doch stattdessen sah er Steffi.
Eine angeschlagene junge Frau. Müde. Emotional ausgezehrt. Sie streckte sich, langsam, fast reflexhaft, und für einen Moment zeichnete sich die Kontur ihrer Brüste unter dem Top ab. Nicht provokant. Einfach da.
Martin bemerkte, dass er starrte.
Steffi sah es. Ihre Augen verengten sich. Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du bist also kein Zombie geworden“, brummte Martin, mehr zu sich selbst als zu ihr.
Steffi starrte ihn an. „Wie bitte?“
„Du hast dich nicht verwandelt.“
„Wie sollte ich mich denn infiziert haben?“ Ihre Stimme klang empört, aber auch überrascht. „Ich wurde weder gebissen, noch hatte ich… Sex.“ Bei dem letzten Wort wurde sie rot und sah zur Seite.
Martin registrierte es. Ordnete es ein.
Ah, dachte er. Sie ist jungfräulich.
„Kein Freund?“ fragte er nach.
Steffi schüttelte den Kopf. Man sah ihr deutlich an, dass ihr das Thema unangenehm war. Sie deutete hastig auf das Haus, als wolle sie die Richtung des Gesprächs erzwingen.
„Ist das deins?“
Martin nickte.
Und während er ausstieg, die Tür leise hinter sich schloss und auf sein Zuhause zuging, wusste er, dass das, was nun kam, schlimmer werden konnte als alles zuvor.

Martin und Steffi traten vorsichtig durch die Haustür des modernen Einfamilienhauses, die sie hinter sich sacht ins Schloss fallen ließen, um keine unliebsame Aufmerksamkeit von draußen zu erregen. Das Haus war klein, aber funktional gestaltet, mit großen, bodentiefen Fenstern, die den bläulichen Mondschein einließen. Die Fassade wirkte schlicht, weiß gestrichen, nur ein kleiner Vorgarten mit abgemähtem Rasen und einigen eingetopften Pflanzen ließ das Gebäude wohnlich erscheinen. Schon beim Betreten fiel beiden der dunkle Flur auf, der in der Stille nur von ihren eigenen Schritten und dem leisen Knarzen des Parketts begleitet wurde. Martin hielt die Elektro-Prototyp-Waffe fest in der Hand, die metallisch glänzte, während Steffi den schweren Baseballschläger aus dem Kofferraum umklammerte, die Finger verkrampft um das kalte Metall geschlungen.
Sie traten vorsichtig vor, und Martin horchte in die Stille. Kein Geräusch, kein Hauch von Bewegung. Nur das dumpfe Gefühl von Anspannung, das sich wie eine kalte Hand in seinen Magen legte. Er wusste nicht, ob sie Glück hatten oder das Schlimmste noch bevorstand. Links befand sich das Bad, rechts die Toilette. Keine Bewegungen, keine Zeichen von Leben, nur die sterile Kälte von Fliesen und Chromarmaturen. Ein paar Schritte weiter öffnete Martin die Tür zur Küche, die mit modernen Geräten ausgestattet war, glänzenden Edelstahloberflächen, Kühlschranktür leicht geöffnet, die Lampe über dem Esstisch ausgeschaltet. Alles wirkte aufgeräumt, nur das Essen auf dem Tisch war längst kalt geworden. Die Speisekammer daneben war verschlossen, vermutlich noch voll mit Vorräten, aber niemand war darin.
Auf der rechten Seite entdeckten sie das Wohnzimmer, modern eingerichtet, mit einem großen Sofa, Couchtisch aus Glas, ein Regal mit Büchern und Spielzeug verstreut auf dem Boden. Kein Geräusch, kein Lebenszeichen. Martin spürte das Adrenalin, wie es sich in seinen Schultern sammelte. Jedes Möbelstück, jede Dekoration schien plötzlich zu einer potenziellen Falle zu werden, jedes Licht, das noch flackerte, könnte Aufmerksamkeit erregen.
Weiter hinten im Flur lagen das Schlafzimmer und das Gästezimmer. Beide Räume waren unberührt, die Betten gemacht, die Vorhänge zugezogen. Die Stille war beklemmend, und Martin spürte, wie sein Herzschlag sich beschleunigte. Schließlich erreichten sie das Kinderzimmer. Martin öffnete die Tür vorsichtig, der Atem stockte ihm. Sein Sohn lag leblos im Bettchen, bereits bläulich angelaufen, während seine Frau am Fenster stand, mit dem Rücken zu ihm. Ein leises Flüstern ihres Namens, das sich in der Luft verlor, bevor sie sich umdrehte. Ihre Augen waren leer, der Ausdruck verzerrt, schlurfend kam sie auf ihn zu. Zombifiziert.
Steffi reagierte instinktiv, jagte an Martin vorbei, der noch wie gelähmt vor Schock stand, während seine Frau auf ihn zukam. Mit einem Aufschrei holte sie mit dem Baseballschläger aus, doch Martin hielt sie im letzten Moment zurück. Der Schwung riss den Schläger aus ihrer Hand, und Martin griff ihn verkehrt herum, um die Situation zu kontrollieren. Die Frau, Diana, fauchte und versuchte zu beißen, während Steffi und sie auf dem Boden rangen. Martin, noch immer paralysiert vom ersten Schock, wurde jäh aus seiner Starre gerissen, als er ein kleines, bläulich leuchtendes Etwas mit Tentakeln aus Dianas Mund in Steffis springen sah. Reflexartig feuerte er mit der Elektro-Waffe auf beide Köpfe, instinktiv, ohne Zeit zum Nachdenken.
Die Sekunden zogen sich endlos, bevor Martin sich langsam näherte. Er riss Diana von Steffi, die am Boden lag. Ihr Puls war nicht mehr spürbar. Über ihren Körper lief bläuliche Flüssigkeit aus Augen, Ohren, Nase und Mund. Martin versuchte Wiederbelebung, doch nach mehreren erfolglosen Versuchen gab er auf; Mund-zu-Mund-Beatmung kam nicht infrage. Sein Blick wechselte zu Steffi, die röchelte und sich zur Seite drehte, dann übergab, wobei ein bläulicher Schleier verflog, bevor er sich vollständig auflöste. Martin griff nach ihrem Nacken, um sie in eine sitzende Position zu bringen, als sie plötzlich und vehement ihn küsste. Mit größter Anstrengung konnte er sich lösen, spuckte sofort aus, der Geschmack fremd, befremdlich. Steffi, mit zusammengekniffenen Augen, stand auf, taumelte zur Toilette. Martin folgte, den Baseballschläger bereit, in Gedanken darauf gefasst, sie notfalls zu stoppen, sollte die Verwandlung einsetzen.
In der Toilette schloss Steffi die Tür ab. Würgende Geräusche drangen hindurch, dann eine längere Stille. Martin flüsterte ihren Namen, hörte ihre leise Stimme: „Mir geht’s… seltsam.“ Noch kein Zombie.
Doch Minuten später begann sie zu stöhnen, länger, unaufhörlich. Martin hämmerte gegen die Tür, ihm war bewusst, dass sie sich selbst befriedigte, und rief wütend: „Hör auf! Bist du wahnsinnig? Du lockst alle Zombies der Nachbarschaft an!“ Keine Reaktion, nur das anhaltende Stöhnen. Schließlich klickte das Schloss, die Tür öffnete sich langsam, Martin zielte die Elektro-Waffe auf Steffi.
„Ich bin kein Zombie“, sagte sie, die Arme erhoben, um zu zeigen, dass sie sich kontrollieren konnte. Martin, misstrauisch, schob sie zur Couch im Wohnzimmer. Ihr Blick war wirr, die Stimme hastig, fast hysterisch: „Ich weiß nicht… es war wie ein Impuls, ein Drang… ich konnte es nicht kontrollieren… ich musste es einfach tun…“ Sie sprach immer schneller, die Worte stolperten über ihre Lippen. Martin nickte, innerlich fasziniert und besorgt zugleich, seine Gedanken rasten, suchten nach einer Erklärung.
„Ich hoffe nur“, murmelte er, während er ihr half, sich zu stabilisieren, „dass wir noch von hier verschwinden können, bevor die ersten Zombies kommen.“
Doch schon drückten sich die ersten Gesichter an Fenster und Türen, verzerrt, hungrig und bedrohlich. Die Spannung war greifbar, der Mond warf bläuliche Schatten auf die Wände des modernen Hauses, das innen nun wie eine Mischung aus Heimat und Falle wirkte. Die Möbel, Regale, Teppiche, alles wurde Teil der Szene aus Angst, Gewalt und absurder Verzweiflung, während Martin und Steffi den nächsten Schritt planen mussten, um lebend aus diesem Albtraum herauszukommen.

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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